„Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit“

Inzwischen sind schon über 2 Monate vergangen seit dem ich von Deutschland aus in das mir damals noch unbekannte Malawi gestartet bin.

Die Zeit scheint echt nur so an einem vorbei zu fliegen.

Seit meinem letzten Beitrag ist einiges passiert. Inzwischen hat die Schule angefangen und ich konnte mir schon zumindest so etwas ähnliches wie einen „Alltag“ aufbauen.
Jede Woche fahre ich für drei Tage nach Chipunga. Dort wohne ich, wie schon einmal erwähnt,  bei den Kasambalas und teile deren Alltag, d.h. kochen auf dem offenen Feuer, beten vor dem Essen und wenn man mal eine WhatsApp Nachricht verschicken möchte muss man zum Nachbar oder zum Fußballplatz laufen, denn nur dort hat man mit etwas Glück Internetempfang. Ich genieße oft gerade die Ruhe in Chipunga. Nachts kann man einen wunderschönen Sternenhimmel betrachten und man hört nicht ständig laute Musik aus dem nächstgelegenen Club, wie in Mzuzu.

Dies ist das Haus der Familie Kasambalas.
Hier kochen Doris und ich Nsima. Das Hauptnahrungsmittel der Menschen in Malawi.

Meine Arbeit  in den Preschools in Chipunga macht mir Spaß. Die Kinder sind echt liebenswert und mir gefällt besonders deren Enthusiasmus bei den Kinderliedern und kleinen Spielen. Bereits die kleinen Kinder können die Hüften schwingen, wie die ganz Großen.
Bei den Unterrichtseinheiten sitze ich bisher meistens nur daneben. Es ist echt schwer ihnen etwas beizubringen, wenn man deren Sprache (Chitumbuka) nicht gut spricht. Die Kinder können kaum Englisch. Außerdem haben leider einige immer noch, aufgrund meiner Hautfarbe, Angst vor mir. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich das bald legen wird. Mit meiner „Gastmutter“ Doris Kasambala kann man gut über die Lehrmethoden und die bestehenden Probleme in den Preschools reden. Sie ist selbst eine ausgebildete Lehrerin, während die Preschool Educators keine  Ausbildung haben und auch nur eine geringe Aufwandsentschädigung für ihren Einsatz erhalten. Trotzdem sieht man deutlich, dass sie sich sehr bemühen und ihr Bestes geben den Kleinen etwas beizubringen und dadurch einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

 

GRACE hat nun veranlasst, dass Doris Kasambala eine zweite Supervision in den Preschools macht. Die erste war bereits im Juli 2018. Dabei begleitete Doris Kasambala die Preschool Lehrer/innen eine Stunde täglich im Unterricht und brachte ihnen neue Unterrichtsmethoden bei und gab Anregungen. Auch ich profitiere sehr davon. Da ich keine Ausbildung habe kann ich durch Doris viel lernen und sicherer werden.

Mein Chitumbuka verbessert sich von Woche zu Woche. Ich bekomme zwei mal die Woche jeweils eine Stunde Unterricht von meinem Chef Daniel Mthuti. Auch malawische Freunde zu haben erleichtert es einem sehr diese Sprache zu lernen. So langsam hat man auch kleine Erfolgserlebnisse, wenn sich zwei Einheimische unterhalten und man sogar einige Teile davon verstehen kann.

 

Abenteuerliche Fahrten zwischen Mzuzu und Chipunga

Manchmal, wenn ich Glück habe, kann ich mit dem Farm-Auto der Chipunga Farm nach Chipunga fahren. Dieses Auto ist öfters in der Stadt, um Besorgungen zu machen. Doch in letzter Zeit hatte das Auto einige Probleme, entweder gab es kein Geld für Sprit oder es war in der Reparatur…
Also bin ich mittlerweile auch schon einige Male mit dem Public Transport nach Chipunga und wieder nach Mzuzu gefahren. Um nach Chipunga zu kommen muss man zu einem bestimmten Platz in Mzuzu und dort warten, bis einer der Pickups in Richtung Chikwina genügend Gäste hat, damit er losfährt. Chikwina ist das nächst größere Dorf, welches von Mzuzu aus hinter Chipunga liegt. Chikwina kann man auch auf Google Maps finden, während man bei Chipunga schon größere Probleme hat. 😀
In Malawi gibt es keine Buslinien mit festen Abfahrtszeiten, wie in Deutschland (außer bei den großen Überlandbussen), hier muss man immer warten, bis das Fahrzeug voll ist und erst dann fährt es los.
Nach 1-2 h Wartezeit geht dann meistens die Reise endlich los. Manchmal ist es echt faszinierend wie viele Menschen und Gepäck auf so einen „kleinen“ Pickup passen. Zwischen 5 Säcken Dünger, Kartoffeln, Matratzen und anderem Gepäck sitzt man dann mit noch weiteren 25 Menschen eingequetscht auf der Ladefläche des Pickups und hofft, dass es auf der Fahrt keine Panne gibt und man dadurch möglichst schnell ans Ziel kommt. Nach der Fahrt spürt man dann Muskeln, von denen man noch nie wusste, dass man sie überhaupt hat.
Es ist jedes mal eine Belastungsprobe. Ich hoffe, dass ich mich mit der Zeit daran gewöhnen werde und es irgendwann normal für mich wird.
Nach meiner Zeit in Malawi werde ich mich wohl nicht mehr so schnell über den Zug freitags um 13:15 Uhr von Freiburg nach Bad Krozingen beschweren. Dieser ist zwar immer überfüllt, sodass man Leute bitten muss etwas Platz zu machen, um überhaupt zur Türe rein zu kommen, doch wäre dieser in Malawi würden dort nochmal 20 Leute und 10 Düngersäcke reinpassen. 😀

Aber gerade in solchen Situationen, wie z. B. die Fahrten nach Chipunga, fällt mir immer wieder auf, dass die Malawier ein ganz andere Verhältnis zu Körperkontakt mit fremden Menschen haben. Plötzlich spürt man einen Arm auf seiner Schulter von der Frau, welche neben einem sitzt oder man sitzt selbst fast auf dem Schoß einer anderen fremden Person.  An sich begegnen sie fremden Menschen hier viel offener. Es wird getratscht und zusammen gelacht, als ob man sich kennen würde (so empfinde ich es zumindest, das meiste kann ich leider nicht verstehen, da oft  in Chitumbuka oder Chichewa gesprochen wird).  Gerade diese Offenheit der Menschen finde ich hier sehr angenehm. Hier wird sich nicht nur angeschwiegen und abgewartet, bis man endlich an seinem Ziel ankommt, um ohne Worte wieder verschwinden zu können.

Der Rückweg von Chipunga nach Mzuzu mit dem Public Transport ist ebenfalls anstrengend. Man muss von Chipunga aus eine gute Stunde in der prallen Sonne sehr steil bergauf laufen, um ins Nachbardorf Chigwere zu kommen. Von Chigwere (auf deutsch Nilpferd) aus fahren Sharetaxen nach Mzuzu. Das ist wieder ein bisschen ein Glücksspiel, manchmal kommt sofort eines, manchmal muss man warten. Aber in Malawi spielt Zeit keine so große Rolle.

„Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit“, wie ein Sprichwort so schön sagt.


 

Wenn ich in Mzuzu bin unternehme ich meisten etwas mit Carolin. Sie macht ein dreimonatiges Praktikum im Bereich Stadtplanung und wohnt ebenfalls in der Backpackerlodge Mzoozoozoo.

Mittlerweile waren wir schon öfters in Nkhtata Bay am Malawisee. Es ist nur 46km von Mzuzu entfernt und wegen STRABAG führt eine sehr gute Straße dort hin, sodass man in einer knappen Stunde unten ist. Der See ist echt wunderschön blau und klar. Meistens sind wir im Mayoka Village, einer Lodge welche von einer Südafrikanerin geleitet wird. Dort kann man sich Standup-Padels, Kanus und Taucherbrillen leihen. Wenn man dort unten ist kann man sich gar nicht vorstellen in einem der ärmsten Ländern Afrikas zu sein…

 

Caro und ich haben auch schon unseren ersten „größeren“ Ausflug gemacht. Am 08.09.2018 begleiteten wir Gill, eine Kanadierin, welche wir im Zoo (Mzoozoozoo Lodge) kennengelernt haben, zur Lukwe Lodge. Gill war eine Freiwillige in der Lukwe Lodge, mittlerweile ist sie jedoch irgendwo in Afrika unterwegs.
Um nach Lukwe zu kommen mussten wir ca. 3 Stunden eingequetscht im Minibus nach Chitimba fahren. Dort warteten wir bis eines der Fahrzeuge in Richtung Livingstonia genügend Gäste zusammen hatte, damit es losfahren konnte. Nach einer weiteren Stunde auf sehr schlechter Straße steil bergauf und nochmal stärker eingequetscht, kamen wir dann bei der Lukwe Lodge an.

Die Lukwe Lodge ist einer der schönsten Plätze, die ich jemals gesehen habe. Es ist eine sehr ruhige und familiäre Lodge. Außer uns waren noch zwei weitere Gäste da. Die Einrichtung ist mit viel Geschmack ausgewählt und das Highlight dieser Lodge ist die Schaukel direkt vor dem Abgrund. Man hat einfach einen grandiosen Ausblick auf Berge und den Malawi See.

Am nächsten Morgen konnten wir den Sonnenaufgang vom Bett aus beobachten. Anschließend machten wir uns an den Abstieg. Unterwegs legten wir einen Stopp bei der Mushroom Farm ein. Sie ist auch so ähnlich wie Lukwe, doch noch etwas größer und touristischer. Dort frühstückten wir und haben noch letztes Mal den Ausblick genossen.

Dies ist der Ausblick aus dem Zimmer

Nach 2,5 Stunden in der prallen Sonne bergab kam ein Pickup vorbei, welcher uns die restliche Strecke mitnahm. Den Rückweg nach Mzuzu war echt komfortabel, da wir jemanden fanden, der uns in seinem Auto mitnahm.
Ich würde jedem, der nach Malawi, kommt die Lukwe Lodge empfehlen. Doch man sollte länger als nur eine Nacht oben bleiben, da die Anreise und Abreise mit den Öffentlichen doch sehr Kräfte zehrend ist.

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