Von Bierdeckeln, alten Sitzpolstern und der Plastikflasche

Nach dem Öffnen der Flasche rücksichtlos in die Ecke gepfiffen, unauffällig im Regal verstaut, ein sinnloser Platzhalter, wartend auf die nächste Müllabfuhr: Was hätte ich in Deutschland mit diesem Müll angefangen? Nicht beachtet wahrscheinlich, nicht die Zeit gehabt darüber nachzudenken, einfach weggeworfen. Jedoch ist das „Wegwerfen“ hier in Ruanda nicht so einfach. Der Müll wird nicht sortiert und recycelt, sondern einmal im Monat im Vorgarten abgebrannt. Alte Matratzen der Kinder liegen bei uns herum, die Plastikflaschen häufen sich an und die Bierdeckel werden wie in Deutschland erst gar nicht beachtet.

Die Stelle im Garten, an der verbrannt wird

Dabei muss ich jedoch hier anmerken, dass ich auf sehr hohem Niveau meckere. Denn die Mengen an Müll halten sich für die fast 200 Kinder sehr strak in Grenzen! Auch wird hier in Ruanda nichts auf die Straßen geworfen, die Menschen sind im Bezug auf Plastik in ihrer Umgebung super fortschrittlich. Natürlich gibt es Unterschiede vom sauberen Kigali zu unserer ländlichen Region. In den Beeten sind häufig noch Reste von der Müllverbrennung, aber lange nicht so viel, dass es unangenehm wäre.

Diedonne und Mutoni beim Schälen der Ibijumbo
Eine Schneiderin am Kimironko

Da Toni und ich viel mit Kindern zu tun haben, viel von diesen „Mengen“ an Müll umgeben sind und auch beide gerne kreativ sind, hat sich ein kleine Produktion ergeben:   Wir verarbeiten den „Müll“  allerdings nicht nur zu zweit, ein paar wenige Mädchen sind über die Ferien hinweg auf dem Gelände geblieben. Die Schwestern haben sie vor Jahren aufgenommen, da sie Waisen sind und es keine näheren Familienangehörigen gab, die sich um sie kümmern konnten. Die Mädels helfen den ganzen Tag über mit beim Kultivieren im Garten, beim Kochen, Waschen, Nahrungsmittel vom Markt holen und so weiter, was eben am Tag anfällt. Aber neben der Arbeit spielen wir auch am Sportplatz, tanzen beim Kochen zu amerikanischer, deutscher und ruandischer Musik, unterrichten uns gegenseitig in Englisch – Kinyarwanda, etc. Und nun haben Toni und ich begonnen mit den Mädels und manchmal auch ein paar Schwestern den besagten „Müll“ weiter zu verarbeiten.

Die umnähten Bierdeckel

Auf dem Kimironko Markt  in Kigali (ein großer Markt mit vielen Verkaufsständen von dem traditionellen Kitenge) haben wir Bierdeckeluntersetzer entdeckt, die mit Kitenge umnäht sind. Dazu werden die Reststoffe hergenommen, die nach dem Nähen der Kleidungsstücke übrig bleiben. Es geht in ganz bunt, oder wie wir es versucht haben, in einem bestimmten Muster.

Die alten Sitzpolster und das neue Kuscheltier

Auch habe ich letztens aus alten Sitzkissen einen Fisch genäht. Das war mein erstes Mal, deswegen habe ich für das nächste Mal noch viel dazugelernt, aber es ist ein Anfang (: Toni traut sich demnächst auch an Taschen und Federmäppchen heran, Kitenge haben wir genug auf Vorrat aus Kigali geholt (:

Basteln mit den Waisenmädchen und neugierigen Besuchern

Und aus den Plastikflaschen haben wir Kerzenlichter gebastelt. Die 1,5 Liter Flaschen müssen ringförmig aufgeschnitten werden und dann mit Papierkleister und Transparentpapier umklebt werden. Das Papier ist um jede Klopapierrolle gewickelt, da sammeln alle Schwestern eine Zeit lang. Das ist immer so süß, wenn mir im geheimen eine Schwester ihren Vorrat immer zusteckt. Die Gräßer und Blumen hier sind wunderschön, die haben wir mit hineingeklebt, bei Dunkelheit ist es wunderschön! Oder Papierkraniche gefaltet aus dem Transparentpapier, das ist ein schönes Windspiel. In den Schlafzimmern der Kinder könnten wir Sie an der Decke befestigen, vielleicht basteln wir da ein bisschen wenn die Ferien vorbei sind.

Die Klopapierrollen und die Verpackung

Da in Ruanda die Plastiktüten verboten sind, bekomme ich jedes Mal beim Einkaufen Papiertüten. Manche Verkäufer falten dafür auch gebrauchtes Papier und kleben es. Vor diesem Upcyclen habe ich großen Respekt, fast jeder nimmt zum Einkaufen auch seine eigenen Taschen mit. Im Übrigen gilt es als unhöflich und rücksichtslos gleich nach dem Einkauf etwas auf der Straße zu essen. Deswegen kriege ich eigentlich immer eine Tüte, wenn ich nichts zum Einpacken dabei habe.

Soviel zum Müll, dem Upcyceln, dem Umweltbewusstsein – sehr vielseitig und an verschiedenen Orten ganz unterschiedlich ausgeprägt.
Vermutlich fallen mir im Laufe des Jahres noch viele andere Bastelsachen ein, ich werde bestimmt wieder darüber schreiben.  Genießt die Adventszeit, ich vermisse sie hier ein wenig.

Eure Anna (:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.