Überraschungen und Besuch aus der Heimat


Ein Schritt vor und zwei zurück
Nach dem Preschool Meeting vor zwei Wochen hatte ich echt ein gutes Gefühl, dass sich nun etwas in die positive Richtung verändern wird. Dass das Bewusstsein für die Bedeutsamkeit der Preschool für die Kids wächst und die Schulgebühren und dadurch der Porridge für die Pause bezahlt wird.
Zu Beginn lief es auch gut, es waren viele Kinder in der Preschool. Es wurden bis zu 36 Kinder gezählt, was eindeutig eine der Höchstzahlen ist.
Doch schnell wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Eine Woche nach dem Meeting tauchte der Headman, welcher uns keinerlei Unterstützung geboten hatte, in der „Preschool at the Church“ auf und schickte alle Kinder nach Hause. Dies konnte nur geschehen, da die Preschoollehrer sich etwas verspätet hatten. Ich war an diesem Tag in der anderen Preschool (at the Compound) und bekam das alles nur durch Erzählungen mit.
Anschließend liefen die Preschoollehrer ins Dorf, um die Kinder wieder einzusammeln, doch natürlich konnten sie nicht alle wieder auftreiben.
Ich persönlich finde so etwas erschreckend, wenn nicht mal der „Chef“ eines Dorfes versteht, wie wichtig Bildung ist.

Nun, nach den Ferien, sind es wieder nur ca. 15 Kinder, welche in die Preschool „at the Church“ kommen. Leider…

 

 


Nun aber mal noch zu etwas positiven Neuigkeiten:

Sehr bemerkenswert in Malawi finde ich die Leichtigkeit und Spontanität der Menschen. Sehr schnell kann sich ein Plan ändern.
So auch eines Samstagsvormittags. Ich erhielt eine Nachricht eines Freundes, welcher auf die Universität in Mzuzu geht (Mzuni), dass abends eine Talentshow stattfinden wird und sie noch Jurymitglieder bräuchten. Melina, eine deutsche Studentin, welche gerade an der Uni eine Forschung über Baobab-Pflanzen durchführt, wurde ebenfalls gefragt. Natürlich war ich erst skeptisch, doch es lockte mich auch eine solche neue Erfahrung machen zu können und wo kann man das besser als hier, wo kaum jemand einen kennt?
Also gingen wir zu der Vorbesprechung, welche nachmittags stattfand. Dort bemerkten wir, dass die Planungen des Ablaufs noch sehr am Anfang standen. Aber naja das Planungsteam hatte ja immerhin noch 3 Stunden Zeit, bis die Show anfangen sollte. In Deutschland wäre solch eine Veranstaltung bereits Wochen zuvor organisiert gewesen.

Die Show war auf 18 Uhr angesagt, doch wir kamen erst um 19:30 Uhr, da wir ganz genau wussten die Show würde niemals um 18 Uhr starten. Mittlerweile haben wir uns wohl schon etwas an das malawische Zeitdenken angepasst. Trotz unserer Verspätung mussten wir nochmal eine halbe Stunde warten, bis die Talentshow starten konnte. Der Saal war rappelvoll und die Lautsprecher auf volle Lautstärke gedreht.
Als der Moderator die Jury Mitglieder vorstellte, wurden Melina und ich als: „Sie verfolgen öfters Talentshows und verstehen Tanz und Gesang“, vorgestellt. Natürlich hatten wir schon mal „DSDS“ oder „Voice Of Germany“ im Fernsehen geschaut :D, das war dann aber auch schon alles was wir an Erfahrung in diesem Bereich aufweisen konnten. Glücklicherweise gab es noch vier weitere Jury Mitglieder, welche wirklich eine Ahnung von Gesang hatten.
Insgesamt sangen 20 Studenten vor, wovon 10 in die nächste Runde kommen sollten.
Nach jedem/r Teilnehmer/in mussten wir unseren Kommentar abgeben, während sich das bei Melina und mir auf: „gute Performance, sehr emotional, tolles Outfit“, beschränkte, gaben die anderen Jurymitglieder konstruktive Kritik und Tipps.

Trotzdem war es eine tolle Erfahrung.
Als es dann zur Entscheidung kam, war plötzlich Stromausfall. Aufgrund dessen verließen etwa ¾ der Zuschauer den Saal, denn kein Strom bedeutet kein Licht, keine Mikros und keine Musik. Immerhin bekamen die verbleibenden Beobachter die Entscheidung mit.

In den nächsten Entscheidungsrunden nahmen Melina und ich nicht mehr teil, da wir leider immer andere Pläne hatten.


 

Weihnachten

Am 22. Dezember 2018 kamen meine Eltern und mein Bruder mich hier in Malawi besuchen.
Heiligabend feierten wir im Zoo. Wir organisierten einen „malawischen“ Weihnachtsbaum, welcher aus Ästen und Gebüsch bestand, und schmückten ihn mit Weihnachtskugeln aus Altpapier und Chitenje (so werden die bunten Stoffe genannt, welche hier die Frauen zum Babytragen oder als Rock benutzen).

Unser Christbaum

Die Krippe bastelte ich auch ausschließlich aus Naturmaterialien, Chitenjeresten  und Altpapier.

Unsere KrippeDen 25. Dezember verbrachten wir in Chipunga mit meiner Gastfamilie. Der Gottesdienst war leider etwas enttäuschend, da er aufgrund des regnerisch wirkenden Wetters in ein Klassenzimmer der Grundschule verlegt wurde, da die Kirche noch kein Dach hat. Dort waren nur ca. 15 Leute. Trotzdem wurde wunderschön gesungen. Auch wir wurden aufgerufen etwas vorzusingen, unsere Wahl fiel auf „Oh du Fröhliche“, was sich aber wohl eher etwas erbärmlich angehört haben muss.
Anschließend zeigte ich meinen Eltern Chipunga und mein Gastvater führte uns über die Kaffee und Macadamianuss Farm, welche der Diözese Karonga gehört.

Danach gab es Mittagessen. Die Söhne und Töchter der Kasambalas waren über die Ferien in Chipunga, somit waren wir echt viele. Es gab eine große Auswahl an Essen, von Nsima, Kartoffeln, Hühnchen, Reis, Salat, Gemüse, Eier, war alles dabei.

Nachdem wir einige Weihnachtsmitbringsel verteilt hatten, welche meine Eltern aus Deutschland mitgebracht hatten, gingen wir auch schon wieder, da ein Unwetter auszuziehen schien und die Straße von Chipunga nach Mzuzu meistert man lieber noch vor dem Regen.

„Chipunga Highway“

 

Am 26. Dezember fuhren wir dann noch etwas weiter in den Norden, zur sogenannten Mushroomfarm. In meinem ersten Blogbeitrag hatte ich bereits über die Lukwe Lodge und Mushroomfarm berichtet. Dies sind zwei Lodges, welche bei Livingstonia liegen und einen grandiosen Ausblick auf den Malawi See und Chitimba haben. Überraschenderweise wird gerade die Straße von Chitimba zur Mushroomfarm und Lukwe Lodge neu gebaut, sie ist echt in einem sehr schlimmen Zustand und hat es dringend nötig! Doch, da wir das „angebliche Schild“ unten an der Straße nicht bemerkt hatten standen wir plötzlich vor einer Baustelle, wo kein Durchkommen schien.

Nach einer kurzen Diskussion erlaubte uns der Bauleiter einfach durch den noch nassen Beton zu fahren, was wir auch machten, da wir keine andere Möglichkeit hatten. Wir gaben 2.000 MKW als Aufwandsentschädigung. Oben in der Mushroomfarm lernten wir andere deutsche Freiwillige kennen, welche erzählten, dass jeder von ihnen 2.000 MKW zahlen musste, um durch den Beton fahren zu dürfen. Da haben die Bauarbeiter wahrscheinlich einen kleinen Nebenverdienst gerochen.

 

Am 27. Dezember erkundeten wir die Manchewe Falls, welche die höchsten Wasserfälle Malawis sind. Anschließend Livingstonia, diese Stadt stammt noch aus der frühen Kolonialzeit, dort entwickelte sich auf dem Bergplateau die bedeutendste Missionsstation mit Krankenstation und technischer Schule. Heute ist dort ein Museum, Universität und von dem Kirchturm aus kann man bis zum See blicken.

Kirche
Universität
Das Museum, sog. „Stone House“

Danach wanderten wir auf das Chombe Plateau. Von dort hat man eine 360° Aussicht zum Malawisee, Nyika Nationalpark und den Bergen die
bis nach Tansania und Mosambik reichen. Natürlich hatte ich bei der Kleidungswahl nicht bedacht, dass wir vor hatten wandern zu gehen. Somit hatte ich meine Flipflops an und musste mit ihnen das Chombe-Plateau besteigen. Als ich dann jedoch auf die Füße unseres Führers schaute und bemerkte, dass dieser nur noch einen Flipflop trug, schöpfte ich neuen Mut.

So sehen Sieger aus!
Die Aussicht vom Chombe Plateau

 

Nach 2 Nächten in der Mushroomfarm fuhren wir zum Vwaza Marsh Game Reserve, dies ist ein Wildschutzgebiet. Dort schliefen wir in Hütten direkt an einem Wasserloch, in welchem Nilpferde badeten.

Leider sahen wir keine Elefanten, da gerade Regenzeit ist und somit im gesamten Park genug Wasser verteilt ist, dass sie nicht zu dem großen Wasserloch kommen müssen, um zu trinken.

 

Silvester feierten wir am Malawisee in Nkhata Bay. Am 31. starteten wir nachmittags zu einer Bar Tour mit dem Boot, wobei wir 3 Bars abklapperten.

Abends gab es Pizza, anschließend ging die Party los. Es war eine typische malawische Party mit riesigen Boxen und sehr lauter Musik.
Für meine Familie war es vielleicht nicht die optimale Silvesterparty.
Hier in Malawi ist eine Party nur eine Party, wenn die Musik laut genug ist, dass man sich kaum noch unterhalten kann und man am Ende denkt, dass man taub wäre. Nächstes Jahr darf meine Familie wieder in aller Ruhe feiern, trotzdem muss man mal die Erfahrung gemacht haben, denke ich, ob sie das wohl auch so sehen???

Über die zwei Wochen, die meine Familie zu Besuch war, konnte ich ihnen auch Mzuzu etwas zeigen.
Zudem konnte meine Mutter sehr viele Lodges und Ideen sammeln für ihre Reise im Juni. Manchmal dachte man, dass es für sie gar kein Urlaub ist, sondern Arbeit, jeden Tag gab es etwas neues herauszufinden, wie viele Zimmer hat diese Lodge, wieviel kostet das, was kann man hier anbieten,… Dadurch konnte auch ich noch viele neue Plätze und Angebote hier im Norden kennen lernen.
Für alle, die an dieser Reise teilnehmen sage ich nur: Ihr könnt euch wirklich drauf freuen!


Hier noch einige Eindrücke unserer Reise:

Bei Livingstonia:

 

Vwaza Marsh Game Reserve:

Wer findet das Nilpferd?

 

Rund um Mzuzu:

Kamuzu View


Elephant mountain

 

Nkhata Bay:

Silvester unter Palmen

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