Frohe friedliche Weihnachtswünsche nach Deutschland

Gruppenfoto vorm geschmückten Baum eines Restaurants

Frohe Weihnachten nach Deutschland! Hier dauert es noch zwei Wochen bis Weihnachten, was an mehr Schaltjahren im äthiopischen Kalender im Vergleich zu unserem gregorianischen Kalender zu tun hat. Dennoch konnte ich mit ein paar deutschen und amerikanischen Freunden den heiligen Abend feiern und ein paar einzelne Läden und Hotels tragen sogar dezenten Weihnachtsschmuck. Ich nehme mir heute auch mal frei, um Zeit zum Schreiben zu finden und in die Deutsche Kirche Addis Abebas zu gehen – für etwas Heimat zu Weihnachten.

Mein letzter Eintrag ist ja schon eine ganze Weile her. Was den Fortschritt bei der Arbeit betrifft, verweise ich an dieser Stelle nur an den Bericht, den ich zur Orientierung für mich, das Collegemanagement und meine Entsendeorganisation artefact verfasst habe: Report Projects Tegbare-id Derian – Q1. Die Berichte über die Lebensumstände verschiedener mir bekannter Äthiopier, nach denen ich gefragt wurde, verschiebe ich aufs nächste Mal. Dieses Mal möchte ich nur mal schnell ein paar schöne Landschaftsfotos teilen.

Abels erster Prototyp eines Bambusrollstuhls. Siehe auch http://blog.reachforchange.org/africanewsroom/index.php/promising-social-entrepreneurs-join-one-of-a-kind-reach-for-change-incubator-program/

Das geht nicht mehr über Whatsapp, unter meiner deutschen Handynummer bin ich momentan nicht mehr erreichbar. Denn – das gehört leider auch dazu – dummerweise habe ich mir meinen Laptop und keine Woche später mein Handy klauen lassen. Und das nachdem ich gerade die ersten beiden Monate schadenfrei überstanden überstanden und zwei Taschendiebstahlversuche erfolgreich abgewehrt hatte. Zum Glück hatte ich von allem Wichtigen Backups. Irgendwann erwischt es wohl jeden mal hier, egal woher er kommt. Am letzten Wochenende hat es sogar die Collegeleitung erwischt. Nun bin ich über Facebook, Email und meine äthiopische Nummer (schreibt mir an tegbare-id@derian.de, um sie zu erfragen) auf Telegram erreichbar. Einen der Diebe habe ich sogar erwischt, aber er hatte mein Handy offensichtlich nicht oder nicht mehr. Also bin ich der Richtung gefolgt, in die Passanten gewiesen hatten. Dadurch habe ich dann leider auch den Komplizen verloren. Eine witzige Annektote ist mein Versuch, die Polizei auf mein Problem aufmerksam zu machen. Der erste, den ich gefragt habe, war ein Verkehrspolizist und deshalb leider schon mit der Kreuzung (die eine funktionierende Ampelanlage hat) beschäftigt. Der zweite, den ich kurz darauf fand, war schwer bewaffnet, weshalb ich ihn für besser geeignet hielt. Er hat zwar kein englisch gesprochen, aber ein in der Nähe laufender Mann hat für mich übersetzt. Er hat mich gefragt, ob ich die Täter auf einem Foto wiedererkennen könnte, was ich bestätigt habe. So ging das eine Weile bis der Übersetzer meinte, der Polizist würde mir gerne helfen, aber er wäre gerade beschäftigt. Dabei deutete der Übersetzer mit seinem Kopf nach unten auf die Handschellen, die er gerade trug. Man verwies auf eine nahegelegene Polizeistation, die ich aber weder vorher kannte noch danach gefunden habe und so habe ich es dabei belassen und meine letzte Hoffnung auf eine Bekanntschaft eines Freundes bei der stattlichen Telekommunikationsfirma gesetzt. Bisher aber auch ohne Erfolg.

So jetzt aber zu den Fotos:

Wonchi

Einige der letzten Wochenenden habe ich genutzt, um gemeinsam mit ausländischen und äthiopischen Freunden mehr Orte in Äthiopien zu erkunden, die von hier aus recht gut erreichbar sind. Man fährt einige Stunden, aber zahlt umgerechnet nur wenige Euros, wenn man den öffentlichen Verkehr nutzt, und landet in völlig anderen Welten.

Kurzer Ritt am Rande des Wonchi Kraters

Zuerst waren wir in Ambo und am nachegelegenen Wonchi Kratersee. Von Ambo aus mussten wir einen stabileren Minibus privat mieten und nach etwa einer Stunde Fahrt über schwieriges Gelände kommt man am Kraterrand an. Auf dem Rückweg wurden wir von einem Verwandten unseres Fahrers in einem winzigen Ort zu nem lokalen Honigwein und Essen eingeladen. Ich bin froh bei meinen Reisen immer mindestens einem Einheimischen dabei gehabt zu haben, der die überfallartigen Anfragen von potentiellen Fahrern beispielsweise und anderen an uns interessierten Leuten hauptsächlich abbekommen hat, gute Preise aushanden konnte und dem wir sicher auch diese Einladung zu verdanken haben.

Weg zur Kaffee-Stube
Das Bild werde ich austauschen, wenn mir jemand seine Photos aus einer besseren Kamera gegeben hat

Die nächste Reise ging nach Hawassa, einem touristischeneren Ort mit einigen teuren Hotels und Lodges und vielen sehr großen Pelikanen. Dort gabs für uns fritierten Fisch zum Frühstück und eine kurze Bootstour hat uns dicht (vielleicht etwas dichter als nötig) an Flusspferden und vielen Vogelarten vorbei geführt. In der Nähe von Hawassa befindet sich der Ort Wondo Genet. Er ist bekannt für seine heißen Quellen und so durften wir uns alle mal die Finger an einem 85 Grad heißen Bach verbrennen. Außerdem ist auch hier die Landschaft wunderschön.

Nähe Ankober
Unsere Zelte auf dem Gelände des alten Palasts Menelik II.

Mein letztes Wochenende habe ich bei Ankober verbracht. Der etwa 2,000 Einwohner beheimatende Ort war einst Hauptsadt und beinhaltet den alten Palast Meneliks II bevor er nach Addis Ababa zog. Unser eigentlicher Fremdenführer, den wir dieses Mal für eine längere Bergtour nutzen wollten, hatte plötzlich jedoch verschiedene Verabredungen während unserer Anwesenheit und so haben wir auf ihn verzichtet und unsere Zelte auf dem Gelände des ehemaligen Palasts auf einer Berg-/Hügelspitze aufgeschlagen.

Telefon im alten Palast Menelik II.

Meiner Erfahrung nach braucht man in Äthiopien gar nicht erst mit festen Erwartungen irgendwo hinzugehen, weil es doch immer anders kommt. In diesem Fall ging es nach der Pleite mit dem Führer damit weiter, dass der Palast viel schlichter als erwartet, aber das Gelände mit der sehr beeindruckenden Aussicht sehr schön gestaltet ist. Der Herrscher Menelik II. war wie man uns sagte der erste Auto- und Telefonbesitzer in Afrika und Telefon und so kann man beispielsweise alte Telefone in dem hölzernen „Palast“ finden.

Tanzaufführung

Völlig unerwartet kam, dass wir nun vielleicht mit unserem Lagerfeuer dort ins Fernsehen kommen. Denn während wir dort saßen wurden plötzlich zwei große Scheinwerfer und eine Kamera neben uns aufgebaut und ein Musiker hat uns etwas auf einer Masenqo, einem traditionellen einsaitigen Zupfinstrument, vorgespielt. Irgendwann kam auch noch eine Kameradrohne zum Einsatz. Es ging aber nicht um uns, sondern eine Gruppe aus Tänzern und Sängern, die traditionelle Musik und Tänze performten und uns zum Mitspielen und -tanzen aufgefordert haben. Am nächsten Morgen hatten wir noch eine geführte Tour und haben in einem kleinen Bauernhof Kaffee und Injera (Sauerteigfladen) mit einer Art Chillipulver bekommen. Dieser Ort war ziemlich kalt, immer wieder neblig und feucht, sodass wir am Ende doch froh waren, als wir zurück in Addis Ababa ankamen.

Nähe Ankober
Entoto bei Sonnenuntergang

Für beeindruckenden Aussichten muss man Addis Ababa auch gar nicht verlassen. Der bewohnte Entoto hier, den ich nun schon zum zweiten Mal besichtigt habe, ist meiner Meinung nach auch immer einen Besuch wert.

Danke fürs Interesse, nächstes Mal stelle ich Euch also verschiedene Einwohner der Hauptstadt Äthiopiens und ihre spannenden Lebensgeschichten vor.

Eine Antwort auf „Frohe friedliche Weihnachtswünsche nach Deutschland“

  1. Beeindruckende Fotos, es ist wirklich ein wunderschönes Land. Kaum zu glauben dass die Region rundherum eigentlich nur durch Terror, Hunger und Krieg bekannt ist.

    Frohe Weihnachten zurück!

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