Tionana Malawi!

Nun ist ein Jahr um, kaum zu glauben aber wahr! Erstmal entschuldige ich mich, ihr habt lange nichts von mir gehört. Die letzten 4 Monate sind wie um Flug vergangen. Eine Kurzzusammenfassung der Zeit seit meinem letzten Beitrag: Ende März hatten wir ein schönes Zwischenseminar, ich habe mein Projekt gewechselt und ein Waste Management Projekt gestartet, ich war viel wandern, habe ein Praktikum in Blantyre gemacht, meine Schwester war zu Besuch und wir haben eine tolle Malawireise gemacht und nun heißt es für mich auch schon Tschüss sagen, denn am Dienstag geht es zurück nach Deutschland.

Ich fühle mich ein bisschen wie vor einem Jahr – gerade bin ich noch hier, stecke voll in meinem Leben hier und es ist unrealistisch mir vorzustellen, dass ich in weniger als einer Woche wieder in Hamburg bin und auf einmal von weit weg auf Malawi zurückblicke. Ich freue mich riesig und kann es kaum erwarten euch alle wiederzusehen! Auf der anderen Seite werde ich wehmütig… Malawi ist mein Zuhause geworden, es ist nicht einfach alles hinter mir zu lassen. Doch immerhin weiß ich eines mittlerweile sicher: ich werde wiederkommen, denn ich habe Malawi tief in mein Herz geschlossen und das Leben und alles hier sehr schätzen gelernt. Und wer weiß, vielleicht zieht es den einen oder anderen von euch ja auch mal nach Malawi in den nächsten Jahren, ich würde mich freuen, wenn ich euch mit meiner Begeisterung anstecken konnte!

So weit, so gut! Bekanntlich hat man in den letzten Tagen immer viel zu tun, daher werde ich es dieses Mal kurz halten. Ich werde jetzt noch ein letztes Mal zu meinem Lieblings-Nsima-Straßenrestaurant fahren, auf dem Markt wichtige Dinge wie Erdnussmehl und Rosella Tee einkaufen und die letzten Tage in vollen Zügen genießen… Und dann heißt es Tionana Malawi – Wir sehen uns, Malawi! Und auch an euch: Vielen Dank, dass ihr meinen Blog gelesen habt und nun, Tionana nonse – Wir sehen uns in Deutschland!

Halbzeit

Kaum zu glauben, ein halbes Jahr ist rum!

Am 11. Februar vor genau 6 Monaten habe ich das erste Mal Fuß auf malawischen Boden, den afrikanischen Kontinent und die Südhalbkugel gesetzt. Seitdem habe ich viel Neues gelernt und erfahren, Freundschaften geschlossen, Malawi als ein wunderschönes, authentisch naturbelassenes Reiseland kennengelernt und einige Tief- doch zum Glück zum größten Teil Höhepunkte erlebt.

Das Jahr erscheint mir wie das Erklimmen eines Berges: am Anfang ging es sachte bergauf, alles war neu und aufregend und bei all‘ den fremden Eindrücken blieb bloß Zeit zum Aufnehmen und Staunen und wenig Zeit zum Hinterfragen und Nachdenken. Im Laufe des Weges wurden viele Dinge normal und zum Alltag und mit der Zeit stellte sich immer mehr ein Gefühl von Zuhause ein, so wie man sich im Laufe einer Wanderung an das Gehen gewöhnt. Doch mit der Gewöhnung wurden einige Dinge auch nervig und kulturelle Unterschiede wurden deutlicher Trotzdem war ich glücklich mit meinem Leben hier und freute mich, was für ein gutes Leben ich in Malawi führen kann, obwohl ich glatt von einem der reichsten Länder der Welt in einem der ärmsten Länder der Welt gelandet war. Reichtum ist eben nicht nur an wirtschaftlicher Entwicklung und Geld zu messen!

Im November und Dezember schien der Anstieg zum Gipfel langsam steiler zu werden. Ich vermisste immer mehr Dinge aus meinem Leben in Deutschland und die Kompliziertheit, mit der vieles hier verbunden ist, ging mir immer öfter auf die Nerven. Privilegien, die ich mein Leben lang in Deutschland hatte, wurden mir immer stärker bewusst und über diese Erkenntnis bin ich sehr froh. Das Kusamala stellte sich als nicht sonderlich geeignete Einsatzstelle heraus und ich wurde immer genervter davon, dass ich mich dort nicht wirklich willkommen und wertgeschätzt fühlte und von einer allgemeinen Desmotivation umgeben war, während ich mich in meiner Freizeit von engagierten Menschen umgab. Immer öfter versuchte ich Zeit für YSD zu finden, da ich dort immer freudig empfangen und direkt mit zahlreichen Aufgaben überhäuft wurde. Auch sonst war mein Leben außerhalb des Kusamalas eigentlich toll: Carl war zu Besuch, ich machte mir eine schöne Weihnachtszeit und unser Silvesterausflug war ein richtiges Highlight. Und dennoch spürte ich zeitweise eine gewisse negative Grundstimmung bei mir.

Anfang Januar sehnte ich dann dem Gipfel des Berges immer mehr entgegen. Ein Jahr kam mir plötzlich sehr lang vor, vor allem mit dem Wissen, gerade noch nicht einmal die Hälfte geschafft zu haben. Anfang Januar fing ich auch endlich an ernsthaft über einen Projektwechsel nachzudenken. Viele Menschen hier halfen mir die Probleme am Kusamala deutlicher zu sehen und aufzuhören die Situation schön zu reden. Der Projektwechsel kam dann rasanter als geplant und stellte in gewisser Hinsicht den letzten steilen Anstieg zum Gipfel des Berges da. Am 5. Februar, fast genau 6 Monate vor meinem Rückflug nach Deutschland am 6. August hatte ich also meinen letzten Tag am Kusamala. Die Erleichterung, die sich darüber bei mir einstellte, machte mir noch einmal deutlich bewusst, wie sehr mich die Situation eigentlich doch gestört hatte.

Dann kam das Bergfest, die Halbzeit, die „zombanische Wende“! Vom 7.-15. Februar war ich in Zomba, eine wunderschöne kleine Stadt im Süden Malawis und ein absoluter Höhepunkt meiner Zeit hier. Passend, dass diese schöne Woche gleichzeitig mit dem Erreichen des Gipfels, also der Halbzeit und der erleichternden Wende in Bezug auf mein Projekt zusammenfiel. In Zomba wollte ich in der Pakachere Backpacker Lodge einen 5-tägigen Permakulturworkshop geben, den ich basierend auf meinen Erfahrungen während des PDC selbst gestaltet hatte. Der Workshop wurde ein großer Erfolg, die 8 Gärtnern aus Zomba lernten begeistert über Permakultur und setzten das Gelernte direkt praktisch im Pakachere Garten um. Wir pflanzten Bananen und Moringa-Bäume, legten Beete an und bauten eine schöne Kräuterspirale. Die Gärtner waren wohl begeistert, denn der Kurs hat sich rumgesprochen und ich bin eingeladen, den Workshop noch einmal zu geben für weitere interessierte Gärtner.

Eine neue Banane

Ein neues key hole bed

Ein sehr erfolgreicher Permakulturkurs mit begeisterten Teilnehmern. Und unsere schöne Kräuterspirale!

Auch sonst war meine Zeit in Zomba nur von lauter positiven Momenten geprägt. Ich wohnte in der Pakachere Lodge und genoss die tolle Atmosphäre, die netten Menschen um mich und das leckere Essen. Zomba ist eine kleine Stadt, viel entspannter als Lilongwe. Ich ging gerne auf den Markt und freute mich vor allem, dass es hier leckere Macadamianüsse zu kaufen gab. Am Samstag erklommen wir zusammen mit einer Gruppe an Freunden das Zomba-Plateau, einen platten Berg, von dem wir eine unglaubliche Aussicht auf die Umgebung hatten. Zomba hat einen botanischen Garten, alte noch aus der Kolonialzeit stammende Häuser und einen grünen Golfplatz, sodass sich im Gegensatz zu allen anderen mir bekannten malawischen Städten tatsächlich Möglichkeiten für Spaziergänge ergaben. Zusammen mit Julia (eine Medizinstudentin aus Deutschland, die gerade ein Praktikum am Krankenhaus in Zomba macht und mit der ich mich direkt einfach nur super verstanden habe) drehte ich also am Sonntag eine schöne Runde in Zomba. Meinen letzten Abend feierten wir in einem italienischen Restaurant mit hausgemachter italienischer Pasta, italienischem Rotwein und richtigem italienischen Eis, ein absoluter Traum!!

Ziel unserer Wanderung: Die William’s Falls auf dem Zomba Plateau

Traumhafter Ausblick vom Zomba Plateau

Der botanische Garten in Zomba

Alte englische Häuser in Zomba – seht ihr den Affen?

Jetzt bin ich zurück in Lilongwe und auf einmal scheint die Zeit zu rennen. Vom Gipfel geht es nun bergab, und der Weg nach unten ist bekanntlich leichter zu beschreiten. Das Ziel der Wanderung ist in Sicht und vor allem die Aussicht auf meine geplanten Aktivitäten in den verbleibenden Monaten rücken das Ende der Wanderung, den 6. August, den Rückflug nach Deutschland zusätzlich näher. Ein halbes Jahr erscheint plötzlich sehr kurz! Das Gefühl hier so richtig angekommen zu sein wird immer stärker. Ich freue mich auf Deutschland, freue mich aber genauso, wenn nicht mehr, das halbe Jahr hier noch zu haben und zu genießen. Ein gutes Gleichgewicht hat sich eingependelt. Ich sehe es als etwas ganz Besonderes, dass ich hier so ein gutes Zuhause gefunden habe. Mein Mitbewohner Deus und seine Freundin Vitta sind zu meinen besten Freunden hier geworden. Mit Deus kann ich einfach über alles reden und ich merke immer wieder wie unfassbar glücklich mich das macht! Zusammen haben wir sogar vor kurzem angefangen an jedem Wochenende einen Harry Potter Film zu schauen, dieses Wochenende ist die Nummer 5 dran!

Gerade mache ich für 3 Wochen ein Praktikum am Lilongwe Wildlife Center. Ich habe spannende Aufgaben und bin sehr glücklich endlich einen tollen Arbeitsort gefunden zu haben. Zum einen bin ich für die tree nursery verantwortlich und daher gerade dabei das Pflanzen von zahlreichen Samen und Setzlingen zu organisieren. Zum anderen bringe ich ein bisschen Struktur in die zahlreichen Komposte und baue einige verschiedene Komposthaufen und –arten und bereite das Ganze für die Bildungsarbeit auf. Weiterhin versuche ich einer anderen Praktikantin im Bereich Waste Management zur Hand zu gehen. Nach nur 5 Tagen habe ich gefühlt schon mehr erreicht und mehr Verantwortung übernommen als am Kusamala in 5 Monaten. Das ist ein bisschen frustrierend, gleichzeitig aber auch bestätigend, den richtigen Schritt gegangen zu sein. Es ist wunderbar, von so vielen netten und motivierten Menschen umgeben zu sein, die meine Ideen aufnehmen und die Umsetzung fördern. Die zahlreichen Affen, die in den Bäumen herumturnen und mich immer wieder zum Schmunzeln bringen, tragen natürlich auch maßgeblich zur Arbeitsatmosphäre bei!

Die Affen im Wildlife Center

Offiziell werde ich mein Projekt zum 1. April wechseln und mich dann an die Entwicklung eines neuen Waste Management Projekts machen, mehr dazu, wenn es soweit ist! Bis dahin habe ich im März noch eine Reise in den Norden Malawis geplant, wo wir auch unser Zwischenseminar haben werden.

So weit, so gut! Ganz liebe Grüße aus der Regenzeit!

Vor der Regenzeit und nach der Regenzeit – kaum zu glauben, oder?

Langes Schweigen – Weihnachten, Jahreswechsel und Geburtstag

Bitte entschuldigt mein erneutes langes Schweigen. Es war viel los in der letzten Zeit und ich hatte Schwierigkeiten Zeit fürs Schreiben zu finden – obwohl ich euch gerne schon früher über Weihnachten, den Jahreswechsel und meinen Geburtstag berichtet hätte! In Kombination mit unzulässiger Internetverbindung (Malawi ist so gut wie Wlan freie Zone), komme ich erst jetzt dazu die Beiträge zu veröffentlichen… Dafür dann gleich zwei!

Wo habe ich aufgehört? Kurz vor Weihnachten – von meiner Weihnachtszeit habe ich berichtet, nur noch nicht von meinem heißesten 2. Advent aller Zeiten! Die Regenzeit hatte begonnen, doch ich hatte mit zwei Praktikanten aus den Niederlanden einen Wochenendausflug nach Senga Bay zum See und in das nahegelegene Wildlife Reserve Kuti geplant. Es wurde ein aktives Wochenende mit Echsen und Zebras: am Samstag paddelten wir in plastikschalartigen Kajaks zu Lizard Island, eine Insel, die wie der Name sagt, für ihre Vielzahl an Echsen bekannt ist.

Lizard Island – weiter weg als gedacht!

Endlich angekommen!

Am nächsten Tag machten wir uns auf ins Kuti Wildlife Reserve. Wir schnappten uns Fahrräder und wollten den Park damit von vorne bis hinten erkunden. Ein Platten zwang uns jedoch bald zu einem Spaziergang durch die Savanne in der extremsten Mittagshitze, die ich bis jetzt erlebt hatte! Wir wunderten uns: haben wir wirklich den zweiten Advent heute? Nachdem wir uns rehydriert und die Mittagshitze mit einem Kartenspiel vertrieben hatten, nahmen wir unsere Mission erneut auf: die Zebras finden! Wir mussten nicht lange fahren, da sahen wir sie. Wir ließen die Fahrräder auf den Weg fallen und schlichen uns vorsichtig stampfend, um mögliche Schlangen zu vertreiben an die Zebras ran. Die Zebras fühlten sich von uns gar nicht gestört und ließen sich bereitwillig als Fotokulisse benutzen. Mission Zebra erfüllt! Nächste Mission: Giraffe! Im Kuti Wildlife Reserve gibt es genau eine Giraffe und der Park ist groß, doch davon ließen wir uns nicht entmutigen. Wir radelten also weiter, alle Wege des Parks haben wir befahren, doch von der Giraffe keine Spur. Auch die Warzenschweine versteckten sich leider vor uns. Immerhin ein paar Antelopen konnten wir neben den zahlreichen Zebras und Affen noch entdecken! Im Großen und Ganzen ein sehr erfolgreiches Adventswochenende!

Mission Zebra erfüllt!

Die Zebras ließen sich gerne als Fotokulisse nutzen!

Dann kam Weihnachten – nun was soll ich sagen?! Was macht ihr in Deutschland zu Himmelfahrt? Den freien Tag nutzen, einen Ausflug ans Meer machen, mit der Familie etwas Leckeres essen? So ungefähr würde ich Weihnachten hier beschreiben. Trotzdem waren es tolle Weihnachtstage! Am 24. gab es bei uns zu Hause in Lilongwe Kartoffelsalat (mit sauren Gurken aus Deutschland), wie bei meiner Familie in Deutschland, damit meine Mitbewohner ein bisschen meine deutsche Weihnachtstradition kennenlernen! Am 25. hatten Joseph und Rhoda mich eingeladen den Tag mit ihnen zu verbringen, was mich riesig freute. Auf dem Weg zur Kirche war ich erstaunt: In der Stadt sah alles aus wie immer, keine Spur von Weihnachten! Bei der Kirche angekommen stellte sich heraus, dass der Gottesdienst um 9 Uhr an diesem Tag ausfiel, den um 6 Uhr hatten wir verpasst. Also keine Kirche, aber ein Treffen mit dem Pastor, der uns zu Muffins und mandasi in seine Küche einlud und mit dem wir uns über malawische und deutsche Weihnachtstraditionen austauschten. Zum Mittagessen bereiteten wir wie erwartet Rice and Chicken und es gab sogar ein kleines barbecue im Garten! Es kamen mehrere Verwandte zu Besuch und am Abend machten Joseph, Rhoda und ich uns auf zu einem Konzert mit typischer malawischer Musik! Ein wunderschöner Tag, wenn auch ganz anders weihnachtlich als sonst, aber so soll es ja auch sein!

Ein schönes malawisches Weihnachtsfest

Kurz nach Weihnachten ging es dann auch schon los in den Norden. Ziel war die Zulunkhuni Lodge, wo ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen den Jahreswechsel verbringen wollte. Der Ort ist so abgelegen, dass man ihn nur mit dem Boot erreichen kann. Die Fähre MV Ilala brachte uns also von Nkhata Bay bis nach Ruarwe zu unserem Ziel. Kurz zur Ilala: Ein tolles Schiff! In Schottland gebaut, über Mosambik nach Malawi gelangt und hier seit 1949 wöchentlich auf Tour über den Malawisee. Es ist als reiste man auf einem erstaunlich gut erhaltenen Museumsboot! Die Zulunkhuni Lodge war wohl einer der schönsten Orte an dem ich bisher war. Zum Frühstück gab es frische Mangos, die die Affen auf ihren Kletterpartien von den Bäumen warfen. In der Bucht sprangen wir immer und immer wieder ins Wasser und den Wasserfall nutzten wir als Wasserrutsche. Die Hängematte lud zum Lesen und Schlummern ein. Das neue Jahr begrüßten wir am Lagerfeuer. Ein guter Start in ein hoffentlich weiterhin gutes Jahr in Malawi und alles was danach kommen wird!

Die Bucht der Zulunkhuni River Lodge

Der 15. Januar ist ein Feiertag in Malawi – John Chilembwe Day! (Kurze Info: John Chilembwe war ein wichtiger malawischer Freiheitskämpfer gegen die koloniale Herrschaft) In diesem Jahr ein Dienstag lud das Wochenende also zu einem längeren Wochenendausflug ein – vor allem da der 14. Januar mein Geburtstag ist. Zusammen mit den anderen Freiwilligen aus Lilongwe fuhr ich also zum Cape Maclear, ein schöner Ort im Lake Malawi National Park. Wir wanderten im Nationalpark und spazierten am Strand, es gab ein leckeres Geburtstagsfrühstück am Strand während die Wellen brausten, am Abend genossen wir den Sonnenuntergang am Strand mit Amarula und Weißwein. Ein malawischer Geburtstag, der mir als einer der schönsten Tage hier in Erinnerung bleiben wird!

Cape Maclear

Sonnenuntergang am Cape Maclear

Geburtstagsfrühstück am Strand

Ansonsten habe ich noch einen Lesetipp: in der ZEIT gab es vor einiger Zeit einen interessanten Artikel über Phosphor in Malawi. Vielleicht auch für euch interessant!

Und die Lösung des Rätsels: Es sind Baumtomaten, sehr lecker!

Kaffeekochen in Malawi 😉

12 Tage Permakultur intensiv

Im November habe ich an einem zweiwöchigen Kurs über Permakultur am Kusamala Institute, meiner Einsatzstelle, teilgenommen. Über diesen Kurs und auch ein bisschen über Permakultur allgemein habe ich einen Artikel geschrieben, der auch bald auf der artefact-Website erscheinen soll. Für euch stelle ich ihn hier schonmal rein, damit ihr endlich mehr darüber erfahrt, womit ich mich hier Tag für Tag beschäftige. Viel Spaß beim Lesen!

Marigolds im Kusamala Permakulturgarten

 

„Und, was machst du für ein Jahr in Malawi?“ – „Ich arbeite in einem Permakulturgarten!“ – „Bitte, was für ein Garten?“

Permakultur, ein noch weitestgehend unbekannter Begriff. Bevor ich meine Reise nach Malawi antrat, hatte ich immer wieder Schwierigkeiten, zu erklären, was ich in meinem Freiwilligendienst in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, denn genau machen würde. Ich antwortete ausweichend, denn um ehrlich zu sein, selbst ich als studierte Umweltwissenschaftlerin hatte von diesem Begriff zwar gehört, wusste ungefähr was dahinter steckt, aber im Detail konnte ich keine Antwort geben. Permakultur – „permanent“ plus „agriculture“, eine persistente Landwirtschaft, die nachhaltig und resistent ist, Umwelt- und Klimaveränderungen durch ihre Naturverbundenheit standhalten kann und zu höchstem Maße im Einklang mit der Natur praktiziert wird.

Meine Einsatzstelle, das Kusamala Institute for Agriculture and Ecology, ist ein Permakulturinstitut, im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Permakultur. In einem Demonstrationsgarten in Lilongwe wird Permakultur erlebbar, in Projekten in verschiedenen „communities“ (Dorfgemeinschaften) in Mangochi, Dedza und Ntcheu in Malawi wird Permakultur als Strategie gegen die Unsicherheiten des Klimawandels angewandt und es werden immer wieder Kurse angeboten, in denen über Permakultur unterrichtet und gelernt wird.

Im November fand ein sogenannter Permakulturdesignkurs statt, ein 12-tägiger Kurs, während dem die Kunst des Permakulturdesigns erlernt wurde. Kunst? Ja, ich denke so kann man es nennen, denn es geht beim Permakulturdesign darum, einen Garten (oder allgemein eine Fläche) funktional, kreativ und ästhetisch zu gestalten und alle Ideen auf einer detaillierten Karte zu präsentieren. Zudem wurde während des Kurses ausführlich in die Prinzipien der Permakultur eingeführt, praktische Aktivitäten wie die Kompostherstellung und das Anlegen von Beeten lockerten den Kurs auf und ließen die Teilnehmer das Erlernte sofort umsetzen.

Aus stichstoffreichen Blättern haben wir zusammen mit Wasser flüssigen Dünger hergestellt, der muss ordentlich umgerührt werden

Wir mulchen die Beete mit Stroh um die Erde vor Austrocknung zu schützen

Ich hatte in meinen ersten Monaten am Kusamala schon einiges über Permakultur gelernt, doch der Kurs gab mir die Möglichkeit, mein Wissen nochmal stark zu erweitern und zu vertiefen und mich in besonderem Maße für die Arbeit in der Permakultur zu qualifizieren. So war auch ich Teil der 10-köpfigen Gruppe, die vom 12.-24. November 2018 am Kusamala den Permakulturdesignkurs absolvierte.

In den ersten Tagen lernten wir zunächst über die Grundlagen der Permakultur. Was steht hinter dem Begriff Permakultur? „Permanent agriculture“, eine dauerhafte Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Was sind die Ethiken der Permakultur? „Earth Care“ – der Schutz unserer Natur und Umwelt, „People Care“ – die Nächstenliebe und „Fair Share“ – die gerechte Ressourcenverteilung oder allgemein das gerechte Teilen der Menschen und der Natur untereinander. Dann ging es im Detail um die Handlungsprinzipien, die der Permakultur zugrunde liegen: Vom Beobachten und Lernen, darüber, das System im Großen und Ganzen aufzufassen, dabei keine Probleme, sondern immer nur Lösungen zu sehen, Diversität und Effizienz zu wertschätzen und zu fördern, bis hin zur Sicherstellung von Ernteerträgen und Energiegewinnung und dem Vermeiden von Abfällen und schlussendlich der Akzeptanz von Dynamiken und Veränderungen im System, auf die kreativ und durch Selbstregulation des Systems reagiert wird.

Um gute Gräben und Dämme für erfolgreiches Wassermanagement zu bauen, benutzen wir unser selbstgebautes „A-frame“, mit dem wir die Höhenlinien des Geländes markieren können

Um gute Erde zu produzieren haben wir einen großen Komposthaufen aufgeschichtet

Und was bedeutet das in der Praxis? Das Anlegen eines Permakulturgartens in sogenannten „Zonen“, die ausführliche Planung, um unnötige Arbeit zu vermeiden, die Herstellung eines in sich geschlossenen Systems, welches keinen Abfall produziert, welches effizient im Einklang mit der Natur in Nachahmung der natürlichen Ökosysteme und Prozesse funktioniert.

Okay, und konkret? Ich habe mein Haus, dort wohne ich mit meiner Familie. Dies ist meine Zone 0, der Mittelpunkt meiner Planung, hier ist das Zentrum der Energie, alle Aktivitäten fokussieren sich auf und um das Leben der Menschen in diesem Haus.

Um das Haus herum bauen wir unsere Zone 1, den Hausgarten. Hier bauen wir Gemüse an, welches viel Pflege benötigt, welches jeden Tag geerntet werden kann, um die Familie zu versorgen. Dabei achten wir darauf, verschiedenes Gemüse zusammen anzupflanzen. Wir nennen es Mischkultur, wir kreieren sogenannte Pflanzen-Zünfte, die sich gegenseitig unterstützen. Dabei achten wir auf eine funktionale Vielfalt: wir brauchen Nahrung für uns selbst – Tomaten, Kartoffeln, Möhren, Petersilie, alles was das Herz begehrt; Nahrung für den Boden – stickstofffixierende Pflanzen wie Erbsen, Bohnen, Klee oder den Tephrosia-Baum, um den Stickstoff aus der Atmosphäre für die Pflanzen verfügbar zu machen und so die Düngung auf natürliche Weise zu verstärken. Dann brauchen wir Gräber – Pflanzen, die sich in die Erde bohren, wie Möhren oder Rote Beete, oder ganz einfach viele Regenwürmer; Kletterer und Unterstützer – Bohnen, die an unterstützenden Bäumen hochklettern; Bodenbedecker – besonders Kürbisblätter, die gerne den ganzen Boden bedecken und diesen so vor Austrocknung und Erosion schützen. Dann brauchen wir noch Pflanzen, die mögliche Schädlinge und Krankheiten fernhalten – Pflanzen mit starken Gerüchen, wie Zitronengras, Ringelblume, Zwiebel, Knoblauch, Chilli und einige mehr. Alle diese unterschiedlichen Funktionen versuchen wir bei der Auswahl unserer Pflanzen im Kopf zu behalten und vielfältige Beete zu schaffen, die zudem den verfügbaren Raum sowohl horizontal als auch vertikal ideal und effizient ausnutzen. Auch Hühner können in Zone 1 beheimatet sein, denn sie brauchen viel Fürsorge und legen uns im Gegenzug jeden Tag frische Eier und produzieren idealen Dünger für den Gemüsegarten. Um die Pflanzen zu bewässern, sammeln wir das Regenwasser vom Dach und leiten dies in die Beete. Die Küchenabfälle sammeln wir auf einem Komposthaufen und produzieren so neue Erde. Im Idealfall haben wir eine Komposttoilette, in der das Potential der menschlichen Fäkalien für die Düngung genutzt wird. Wie unser Permakulturlehrer immer so schön gesagt hat: „Wir sind alle ein großer Sack voll Dünger, warum nicht nutzen?“

Dann kommt die Zone 2, der sogenannte „Essbare Wald“. Hier integrieren wir neben einem Gemüsegarten einige Bäume, vorzugsweise Obstbäume, die uns neben ihrer schattenspendenden und kohlenstofffixierenden Funktion auch noch Obst und somit Nahrung liefern. Unter den Bäumen und Obstbäumen pflanzen wir, dem gleichen Mischkultursystem wie in Zone 1 folgend, weiteres Gemüse an, vor allem solche Pflanzen, die sich über den Schatten freuen und die gerne an den Baumstämmen hochklettern. Die Bäume halten zudem die Feuchtigkeit in Bodennähe und schützen vor starker Verdunstung und folgender Austrocknung des Bodens. Viele Bäume sind im Vergleich zum Gemüse resistenter was die Nutzung von Abwasser angeht. Wir leiten also das Abwasser aus Küche, Bad und Waschmaschine in unsere Zone 2, lassen es vorher durch einen Sandfilter oder je nach verfügbarer Fläche auch durch ein ausgeklügelteres Wasser-Recycling-System laufen. In Zone 2 können zwischen den Bäumen Bienenstöcke aufgestellt werden, die dem ganzen System durch ihre Bestäubungsfunktion große Vorteile bringen und uns zudem leckeren Honig liefern.

Dann folgt die Zone 3, das Feld, welches ausschließlich vom Regen bewässert wird. Hier in Malawi, wo Mais das einzige und alleinige Grundnahrungsmittel ist, wird auf diesem Feld Mais angebaut. Doch in der Permakultur spielt Diversität eine zentrale Rolle. So sollte das Feld nicht von schattenspendenden Bäumen befreit werden, im Idealfall wachsen zusammen mit dem Mais stickstofffixierende Bäume, wie Tephrosia, um Stickstoff aus der Luft für den Mais verfügbar zu machen, gleichzeitig spenden die Bäume Schatten und können als Stütze dienen. Auch ist es sinnvoll sich nicht nur auf die Maisernte zu verlassen. Was ist denn, wenn eine schlimme Krankheit alle Maispflanzen befällt und die gesamte Ernte vernichtet? Lieber zwischen den Mais auch noch Erdnüsse, Sojabohnen oder Hirse pflanzen um auf der sicheren Seite zu sein und Krankheiten vorzubeugen.

Nach der Zone 3 folgt die Zone 4, der bewirtschaftete Wald, den wir für Feuerholz oder zur Bauholz-Herstellung nutzen. In diesen Wald dürfen wir eingreifen, solange wir die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung gewährleisten. Bienen fühlen sich auch hier wohl. Ein vollkommen natürliches Ökosystem ohne menschlichen Eingriff ist essentiell wichtig für die Balance des gesamten Ökosystems Erde und um aus den natürlich ablaufenden Prozessen zu lernen und sie auf unsere bewirtschafteten Zonen zu übertragen. Daher haben wir als letzte Zone die Zone 5: den natürlichen Wald, ohne jeglichen menschlichen Einfluss, einfach sich selbst überlassen.

So sieht dann also unser Garten aus! Je nach Gebiet können natürlich nicht alle Zonen verwirklicht werden, nicht jeder hat den Platz in seinem Garten einen natürlichen Wald zu pflegen. Auch sind die Zonen nicht zwangsläufig explizit voneinander abgegrenzt, vor allem die Zonen 1 und 2 können gut vermischt werden, auch auf dem Feld können Obstbäume stehen und selbst im bewirtschafteten Wald kann noch Gemüse angebaut werden. Der Kreativität sind keine Grenzen besetzt, Hauptsache es entsteht ein funktionaler und ästhetischer Garten, der uns ernähren kann, uns Freude bereitet und die Natur schützt.

Zusammen legen wir auf dem großen Parkplatz das Muster für ein Mandala-Beet, ein rundes Beet, welches nicht nur schön aussieht sondern auch viel Platz für zahlreiche Pflanzen hat

Um das Wasser vom Wasserhahn aufzufangen haben wir eine Bananenpflanze in einem tiefgelegten Beet gepflanzt. Denn Bananen brauchen sehr viel Wasser und können das Wasser vom Hahn gut aufbrauchen

All‘ das lernten wir 10 Teilnehmer des Permakulturdesignkurses und setzten das Gelernte sofort in die Praxis um. Jeder von uns musste für eine ausgewählte Fläche eine sogenannte „Design Map“ erstellen, auf der die verschiedenen Zonen verzeichnet sind, Maßnahmen des Wasser- und Bodenmanagements integriert sind und die im Großen und Ganzen die Entwicklung eines funktional sinnvollen, diversen und ästhetischen Systems darstellt. Wir alle waren mit großem Eifer und Begeisterung dabei, erstellten schöne und interessante Karten und wurden nach einer teils aufgeregten Präsentationsrunde unserer Karten mit einem Zertifikat zu Permakultur-Expertinnen und -Experten ausgezeichnet.

Alle sind stolz auf ihre Permakultur-Designs

Am Ende sind wir alle zertifizierte Permakultur-Design-Expertinnen und –Experten

So hat Daniel, ein Teilnehmer aus Uganda, der seit 3 Monaten in Malawi lebt, nun seinen eigenen Garten in einen Permakulturgarten verwandelt. Sinoya, einer unser Gärtner am Kusamala, Emily, eine Seidenraupen-Farmerin aus Kenia und ich haben das Gelände um unser neues Kusamala-Bürogebäude designt und fangen nun an Beete anzulegen und Bäume zu pflanzen. Bi, eine Afrika-Reisende, hat für einen Freund den Garten seines neuen Restaurants in Lilongwe permakulturmäßig und für den ökologischen Restaurantbetrieb passend gestaltet. Bright, ein small-scale farmer aus Mangochi hat sein Kohlfeld in ein diverses Feld verwandelt, in dem er nun auf Dünger und Pestizide verzichtet. Und Beauty, Charles, Phyllis und Karen, alle 4 Mitarbeiter des Kusamala-Projekts in Mangochi und Dedza haben ihr eigenes Land, das ihrer Großeltern oder den eigenen Hausgarten nach den Prinzipien der Permakultur gestaltet.

Osward, Sinoya und ich haben das Mandala-Beet in die Tat umgesetzt, Kuhdung verteilt und Zitronengras und Minze gepflanzt

Die 12 Tage „Permakultur intensiv“ waren ein großer Erfolg. Nun ist es an uns, die Permakultur weiter zu verbreiten, noch mehr Menschen dafür zu begeistern und von ihrem Nutzen für Mensch und Umwelt zu überzeugen und zum Anlegen eines kleinen Permakulturgartens zu bringen. Denn was gibt es Schöneres als das frisch geerntete, ökologische Gemüse aus dem eigenen Garten zum Abendessen zu essen?

Was passiert wenn man Salat nicht erntet sondern wachsen lässt?

Habe ich euer Interesse geweckt? Wollt ihr euren eigenen Garten in einen Permakulturgarten verwandeln?

Falls ihr Fragen habt, wie genau ihr das anstellen könnt und Ideen und Anregungen braucht, stehe ich euch gerne für Fragen zur Verfügung und versuche auch aus der Entfernung Tipps zu geben (auch wenn ich einiges von meinem Wissen wohl erstmal in die temperate Klimazone übersetzen müsste (; )
Für ein ausführliches Permakulturdesign eures Gartens bin ich sonst ab August 2019 wieder in Deutschland. Wenn ihr aber nächsten Sommer schon ernten wollt, solltet ihr lieber schon vor dem deutschen Frühjahr mit der Planung und Umsetzung anfangen. Schreibt mich einfach an, ich freue mich, wenn auch in Deutschland ein paar kleine Permakulturgärten entstehen. Denn das Schöne ist, Permakultur funktioniert auf kleinstem Raum, selbst ein Balkon reicht schon aus und ihr könnt trotzdem viel ernten und in den Genuss von selbstgezogenem Gemüse kommen 🙂

Kleine Rätselfrage: Was ist das? Die Auflösung kommt im neuen Jahr, viel Spaß beim Knobeln 🙂

Vielfältige Verwirrungen

Kulturverwirrungen, subtropische Weihnachtsstimmung und Mangobäume, so zahlreich wie bei uns die Apfelbäume

Einige Zeit ist vergangen, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe. Vielleicht weil sich mittlerweile ein Alltag eingependelt hat. Nach 4 Monaten hier in Malawi sind mir die Dinge, die am Anfang neu und fremd waren, vertraut geworden und es ist nicht mehr alles spannend und aufregend wie am Anfang, sondern normal, manchmal vielleicht auch nervig, aber vor allem ganz einfach zu meinem Alltag geworden.

Kleine Kulturverwirrungen

Je nach Tagesstimmung freue ich mich, dass jeder mich grüßt oder bin genervt davon, dass ich hier immer auffalle und nie unbemerkt und von Grüßen überhäuft durch die Stadt laufen kann. Manchmal bin ich schier am Verzweifeln, wenn mal wieder kein Strom da ist (vor allem wenn ich Hunger habe), meistens nehme ich es einfach hin, so ist das hier nun mal. Ich habe erkannt, dass „power cuts“ (Zeiten, wenn wir keinen Strom haben) sehr viel weniger schlimm sind, als „water cuts“ (Zeiten, in denen wir kein Wasser haben), denn wenn ich nach einer Minibustour keine Hände waschen kann, entspricht das einfach nicht meinen Hygienevorstellungen. Zum Glück sind solche „water cuts“ sehr viel seltener als „power cuts“, die bei uns zu Hause im Gegensatz zu den meisten anderen Areas Lilongwes auch nicht dadurch kommen, dass kein Strom geliefert wird, sondern ganz einfach deshalb, weil meine Mitbewohner es nie auf die Reihe kriegen, neue „units“, so nennen wir die Energieeinheiten, zu kaufen (: offensichtlich verhalten sie sich dabei ähnlich, wie die meisten Malawier beim Tanken: bloß nicht volltanken, lieber 10mal zur Tankstelle fahren und immer nur für 1000-2000 MWK (ca. 2 €) tanken. Ein kleiner Einblick in die alltägliche „Kulturverwirrung“ und ich schreibe bewusst Verwirrung, ich finde Kulturschock in diesem Zusammenhang etwas übertrieben, ich bin ja nicht geschockt, bloß verwirrt!

So ist das, doch im Allgemeinen bin ich mit meinem Leben hier sehr zufrieden. Oft denke ich, dass sich das Leben in einiger Hinsicht stark von meinem Leben in Deutschland unterscheidet, andererseits in vieler Hinsicht ziemlich ähnlich ist. Ich habe mein gemütliches Zimmer mit Bett, Schrank, Regal und Fotos an der Wand, gehe morgens zur Arbeit, komme abends wieder, kaufe auf dem Weg im Supermarkt oder auf dem Markt ein, trinke gemütlich einen Tee oder Kaffee (vorausgesetzt es gibt Strom), lese viel, schaue auch mal einen Film… Im Grunde ein nicht allzu anderes Leben als in Deutschland. Wenn ich mir dann in Erinnerung rufe, dass ich aus Deutschland, einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, gelandet bin, denke ich mir, dass es sich im Allgemeinen auf dieser Erde wohl ganz gut leben lässt. Natürlich vorausgesetzt es herrscht Frieden, und Malawi ist wirklich ein überaus friedliches Land.

Subtropische Weihnachtsstimmung

Adventsstimmung mit Weihnachtsplätzchen und Kerzen

Heute ist der 13. Dezember… Ich bin jedes Mal kurz verwirrt, wenn ich mir das Datum in Erinnerung rufe, dann nach draußen schaue, mir eine Minute vorher überlegt habe, dass es schon wieder jetzt um 10 Uhr viel zu heiß ist. Mein Verständnis von Mitte Dezember ist einfach nicht in Einklang zu bringen mit dem, was ich sehe und spüre. Dann stelle ich mir vor, dass ihr in Deutschland gerade mitten in der Weihnachtszeit steckt, eure Wolljacken tragt, nicht ohne Mütze und Schal aus dem Haus geht und überall die Weihnachtsmärkte mit Glühwein und gebrannten Mandeln aus ihren Verstecken gekrochen sind. Ich frage mich, vermisse ich die Weihnachtszeit oder freue ich mich, Weihnachten einmal ganz ohne viel Trubel und Weihnachtsschnickschnack zu verbringen? Vielleicht ein bisschen von beidem. Auf jeden Fall hole ich mir die Weihnachtszeit zwischendurch auch immer wieder hierher in die subtropische Hitze. Ich höre Weihnachtslieder, zünde Kerzen an, lerne Sockenstricken und esse Plätzchen!! Plätzchen? Ja, denn ich habe das große Glück, dass Amelie und Anne mir in Lüneburg Plätzchen gebacken haben und Carl mir diese rechtzeitig zur Adventszeit mit nach Malawi gebracht hat… Ich habe mich noch nie so über eine Keksdose mit Weihnachstplätzchen gefreut, das könnt ihr mir glauben!! So konnte ich am ersten Advent ein gemütliches Adventsfrühstück machen, mit Weihnachtsmusik und Kerzen, Plätzchen und Kaffee und – um den malawischen Touch nicht zu vergessen – Mango.

Die Regenzeit in Zeiten des Klimawandels

Immer öfter haben wir nun Tage, an denen es regnet, die Regenzeit bahnt sich an, doch zwischendurch, wenn die Sonne ordentlich scheint, wird es immer heißer und heißer und ich verkrieche mich im Haus oder im Schatten. Nach einem Regenguss fällt die Temperatur dann von über 30 °C auf die unteren 20er und ich ziehe mir, meinem neuen Kälteempfinden folgend, lieber einen dünnen Pulli über. Alle hoffen, dass die starken Regenfälle so bald wie möglich kommen. Im Süden haben die meisten Bauern schon gesät und auch um Lilongwe herum ist jede freie Fläche für die Landwirtschaft präpariert. Der Regen wird sehnlichst erwartet und ich bin gespannt, wie die starken Regenfälle sich auf das Leben hier auswirken werden. Für die Bevölkerung Malawis ist es sehr wichtig, dass der Regen bald kommt und dann auch eine ordentlich große Menge an Wasser bringt. Denn der größte Teil der Bevölkerung lebt auf dem Land und baut ihre Nahrungsmittel, hauptsächlich Mais, selber an, wodurch ihr Leben stark von den Regenfällen abhängt. Doch mit dem Klimawandel lässt sich der Beginn der Regenzeit nicht mehr so gut vorhersagen, wie noch vor einigen Jahren. Auch die Trockenperioden während der Regenzeit sind in den letzten Jahren häufiger geworden und können dazu führen, dass es Ernteausfälle gibt und die Ernte nicht ausreicht, um die Familien für ein ganzes Jahr zu versorgen. Also drücken wir die Daumen, dass der Regen nicht mehr lange auf sich warten lässt und dann auch ohne große Pausen bis zum Ende der Regenzeit im April bleibt.

Eindruck aus dem grünen Mchingi nahe der Grenze zu Sambia

Mangobäume so reichlich wie Apfelbäume in Deutschland

So wie bei uns in Deutschland in vielen Gärten Apfelbäume stehen, findet man hier überall Mangobäume. Reich behängt mit den leckeren Früchten, stehen die Bäume überall in Malawi. Durch das unterschiedliche Klima sind die Mangos in den heißen Seeregionen schon reif, während wir in Lilongwe noch warten die Mangos vom Baum essen zu können. Solange kaufen wir die Mangos, die die Händler aus den Seeregionen in Massen in die Stadt bringen. Jeden Tag esse ich mindestens eine Mango, könnt ihr euch das vorstellen?

Mangos über Mangos

Mangobaum in Ntcheu

Dorfleben

Kein fließend Wasser, Nsima én mass und Kinder, die von deinem Fotoapparat endlos begeistert sind… Das sind nur einige Aspekte, die ich in meiner Woche Dorfleben erfahren konnte. Anfang November hatte ich das große Glück, für eine Woche in einer Gastfamilie in einer kleinen „community“ (Dorfgemeinschaft) in Ntcheu leben zu dürfen. Das Kusamala Institute hat dort ein Projekt und so organisierte Arthur, ein Kollege, mir diese besondere Erfahrung. Bedenkt man, dass der größte Teil der Bevölkerung Malawis auf dem Land lebt, konnte ich so erstmals das richtige malawische Leben kennenlernen. Das Leben ist einfach, vor der Regenzeit gab es nicht allzu viel zu tun, die Kräfte werden gesammelt für die Zeit, wenn der Regen kommt und jede Energie auf dem Feld gebraucht wird. Ich erfuhr, wie es ist, ohne fließend Wasser zu leben und das Wasser vom Brunnen zu holen. Schon die Kinder können Mengen an Wasser auf ihrem Kopf transportieren, es ist beeindruckend. Strom gibt es nicht, gekocht wird auf Feuer. Im „Garten“ (eher ein Hinterhof mit Sandboden) laufen die Hühner herum und eines Morgens wurde eines der Hühner eingefangen und zum Mittagessen gab es dann Nsima (natürlich, immer!) und Hühnchen.

Auf dem Dorf in Ntcheu

Ein weiter Weg von der Straße und nächsten Einkaufsmöglichkeit bis zu dem kleinen Dorf

 

 

 

 

 

 

 

Alle in der Dorfgemeinschaft fühlten sich sehr geehrt, dass ich bei ihnen zu Besuch war. Dabei, so dachte ich mir, sollte doch ich diejenige sein, die sich dankbar zeigt und sich geehrt fühlt, dass diese Menschen mich so herzlich aufnehmen. Ich lernte die „Village Bank“ kennen, wo Frauen zusammenkommen und ihr Geld zusammen sparen und dadurch kleine Kredite ausgeben können, falls jemand unter ihnen ein kleines „business“ starten will. Jeden Abend kamen die Kinder und wollten mit mir Englisch reden, was jedoch nicht so einfach war. Wir hatten trotz starker Verständigungsprobleme (meine Chichewa-Kenntnisse halten sich leider immer noch in Grenzen) unseren Spaß zusammen und als ich am letzten Abend meine Kamera rausholte, waren alle hellauf begeistert. Meine Gastfamilie war sehr herzlich, wir aßen zusammen, ich lernte wie man „Telele“ (Okraschoten) und Nsima kocht, wir knackten zusammen Erdnüsse und hatten allgemein eine schöne Zeit. Es war ein ruhiges Leben dort in dem Dorf und doch auch ein bisschen anstrengend, denn viel Zeit für mich hatte ich nicht. Immer wollte jemand mit mir reden, und wenn ich einmal kurz Zeit für mich haben wollte und mein Buch rausholte, waren die Leute verwirrt, Bücher lesen ist nicht so weit verbreitet hier! Als ich zurück nach Lilongwe kam, wurde mir das erste Mal bewusst, wie sehr ich doch in einer großen Stadt lebe. Viel Trubel, viele Autos, viel Lärm und ich war froh, als ich endlich wieder zu Hause in meinem ruhigen Garten war, mein Buch zu Ende lesen konnte und mir eine leckere Pasta kochen konnte, die ich nach einer Woche Nsima dann doch sehr genoss.

Posen für das Foto mit Wassereimern auf dem Kopf 😉

Beim Erdnüsse-Knacken mit meiner Gastfamilie

Oktober-Update aus Lilongwe

Es ist viel passiert seit meinem letzten Beitrag. Heute schaffe ich es endlich ein paar Dinge zu schreiben und hochzuladen: über das Lake of Stars, den Tag der deutschen Einheit, mein Wochenende in Mzuzu, einen Ausflug mit Joseph und einen Besuch in der Kirche. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Bananenstaude – ja, so was sieht man hier wirklich 😉

Lake of Stars – Ein Festival am See

Vom 28. bis 30. September fand das Musikfestival Lake of Stars statt, auf das wir uns alle schon lange freuten. Dort wollten wir uns mit allen weltwärts-Freiwilligen von artefact und auch von Kolping, einer anderen Organisation, treffen. Ich freute mich ganz besonders, endlich aus Lilongwe rauszukommen und mal etwas anderes vom Land zu sehen. Das Festival fand in Senga Bay statt und wir hatten das große Glück, dass dort zwei weltwärts-Freiwillige von Kolping stationiert sind und wir in deren Garten zelten konnten. So kamen wir am Freitagnachmittag an, und da der große See bloß einen Steinwurf über die Straße entfernt war, packten wir schnell unsere Badesachen aus und sprangen zur Abkühlung erstmal in den See. Der Lake Malawi ist tatsächlich wunderschön – groß wie ein Meer, die andere Seite kann man gar nicht sehen, mit schönen Sandstränden, kleinen Inseln vor der Küste und da es an diesem Wochenende ziemlich stürmte, riesigen Wellen, die den Spaß im Wasser noch steigerten.

Der Lake Malawi – wie ein Meer

Am Abend machten wir uns auf den Weg zum Festival. Es gab eine große Hauptbühne und eine kleinere Bühne am Strand direkt am Wasser. Es war wirklich eine tolle Atmosphäre und wir tanzten ein bisschen am Strand, obwohl das im Sand, ähnlich wie Laufen, ein bisschen schwieriger ist. Irgendwann beschlossen Andrej und ich eine Runde über das Gelände zu drehen, um alles kennenzulernen. Als wir uns der Hauptbühne näherten, fing gerade eine junge Frau aus Simbabwe mit ihrer Gitarre an zu spielen und zu singen und Andrej und ich blieben stehen, um zuzuhören. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn wir waren von dieser Sängerin vollauf begeistert – praktisch, dass wir einen ziemlich ähnlichen Musikgeschmack haben! Wir genossen also die Show von Berita, vor allem „Phakama Africa“ gefiel uns super (ich empfehle sehr, mal bei Youtube vorbeizuschauen und sich diese Sängerin anzuhörenJ). Als dann auch noch der Mond über dem See aufging und richtig schön orange leuchtete, war der Abend einfach perfekt und blieb tatsächlich der schönste Abend des ganzen Wochenendes.

Die Hauptbühne beim Lake of Stars

Am nächsten Tag versuchten wir auszuschlafen, in einem Zelt, vor allem an einem Ort, an dem es schon um 8 Uhr gefühlte 30°C sind, keine einfache Sache. Nachdem ich es im Zelt gegen halb 8 wirklich nicht mehr aushielt, stand ich schließlich auf und konnte ein paar andere begeistern erstmal zur Abkühlung und zum Aufwachen in den See zu springen. Am Morgen war das Wasser tatsächlich kühl und erfrischend. Wir verbrachten den Vormittag im Garten der Freiwilligen, lernten uns alle besser kennen, spielten Karten, gingen nochmal in den See und hatten eine schöne Zeit zusammen. Am Nachmittag machten wir uns dann wieder auf zum Festivalgelände. Dies war leider 20 Minuten mit dem Auto entfernt, und so quetschten wir uns mit viel zu vielen Leuten in ein Taxi (wie man es hier eben macht). Der Abend verging mit Musikhören, Tanzen, am Strand faulenzen und quatschen recht schnell. Eigentlich hatten wir überlegt bis zum Sonnenaufgang zu bleiben, es bahnte sich jedoch ein Sturm an und es wurde immer windiger und windiger, der Sand flog einem um und vor allem in die Ohren und irgendwann wurde die Vorstellung nach ca. 3 Stunden bei diesem Wind auszuharren bis um halb 6 die Sonne aufgehen würde, unerträglich.

Kühe am Strand

Am nächsten Morgen hatte der Wind den See dann in ein stürmisches Meer verwandelt und die Wellen waren wunderbar hoch und wir hatten einen Riesenspaß im Wasser. An diesem Tag fuhr ich schon am frühen Nachmittag zum Festivalgelände, um mir auch die Verkaufsstände nochmal in Ruhe anzuschauen, einen leckeren Kaffee beim Fusion-Café zu trinken und mehr Zeit mit Laura zu verbringen, die ich sonst im Laufe des Wochenendes oft verpasst hatte. Ich verbrachte also einen schönen Nachmittag mit Laura und Caro, einer anderen Freiwilligen, die gerade für 3 Monate in Mzuzu ist. Das Highlight des Nachmittags war wohl die Wassermelonen-Bowle! Ein paar Leute verkauften Wassermelonen, bei denen sie oben eine Art Deckel abschnitten und das Innere der Wassermelone mit einem Mixer zu Saft pürierten. Wir veredelten das Ganze mit gutem Malawi-Gin (wirklich äußert guter Gin!) und genossen diesen leckeren Cocktail gemütlich am Strand.

Zum Abend hin wurde es immer windiger und es wurde noch stürmischer als am Tag zuvor. Schnell waren wir kalt und durchgefroren und der Sand klebte überall… Wer hätte das gedacht, dass einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, bei einem Festival in Afrika!? In Deutschland, ok, da rechnet man mit Regen und Kälte, aber in Afrika? Wir warteten auf den Main Act, Major Lazer. Ich kannte diesen DJ zwar nicht, aber die meisten freuten sich riesig darauf und da es der Main Act war, dachten wir uns, wir sollten wenigstens einen kurzen Augenblick bleiben. Der Sandsturm war an der Bühne noch unerträglicher und so hörten wir nur einen kurzen Augenblick zu und machten uns schnell auf den Rückweg… Damit hatte ich kein Problem, denn die sogenannte Musik von Major Lazer fand ich ehrlich gesagt ziemlich schrecklich!

Das Festivalgelände – direkt am Wasser

Der Sturm brachte uns am Morgen wieder traumhafte Wellen, die zum Glück auch einen Großteil des Sandes, der vor allem hartnäckig in Haaren und Ohren steckte, rausspülten. Wir packten in Ruhe unsere Sachen zusammen und machten uns am Vormittag auf den Rückweg nach Lilongwe. Da am 3. Oktober, also in 2 Tagen, eine Feier in der deutschen Botschaft sein würde, zu der wir alle eingeladen waren, begleiteten mich alle anderen artefact-Freiwilligen nach Lilongwe, wo diese in unserem Garten ein Zeltlager errichteten und wir mal wieder ein paar Tage zusammen in Lilongwe verbrachten.

Wie immer mit Spaß bei der Sache 😀

Der Tag der deutschen Einheit

Am 3. Oktober war der Tag der deutschen Einheit. Ich muss gestehen, so richtig gefeiert habe ich diesen Tag in Deutschland noch nie, es war einfach immer ein freier Tag an dem wir oft einen schönen Ausflug ans Meer gemacht haben. Ich musste also erstmal in Malawi leben um mir der Bedeutung dieses Tages während der Rede des deutschen Botschafters in Malawi so richtig bewusst zu werden und den Tag das erste Mal offiziell zu feiern.

Bereit für einen schönen Abend

Der deutsche Botschafter in Malawi, Jürgen T. Borsch, hatte alle Deutschen, die derzeit in Malawi leben, zu einer Feier am 3. Oktober zu sich nach Hause eingeladen. Uns wurde ein Festmahl mit allen möglichen deutschen Leckereien prophezeit und während der Hinfahrt hörte man nur die ganze Zeit entzückte Ausrufe von „Laugenbrezeln“, „Sauerkraut“, „Brot“, „Schwarzwälder Kirschtorte“, „deutsches Bier“! Und unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen.

Der Botschafter wohnt in einem imposanten Haus in Area 10, eine der reicheren Gegenden in Lilongwe. Nachdem wir uns ein Glas Sekt abgeholt hatten, gingen wir weiter in den Garten und meine Freude über die Einladung und den kommenden Abend wurde immer größer. Ein wunderschöner großer Garten, eine Band für die Livemusik saß schon bereit, es waren mehrere Bars mit Getränken aufgebaut und schnell bemerkten wir in einem der Essenszelte das deutsche Brot, welches unser Herz höher schlagen ließ… Es gab doch tatsächlich Laugengebäck!! Ich fühlte mich wie im Paradies – Laugenbrezeln, leckerste Zimtschnecken, Roggenbrot!

Der Garten des deutschen Botschafters in Lilongwe

Es wurde immer voller und bald wurden Teller mit traumhaften Häppchen gereicht… Kräcker mit Pesto und Brie oder mit Lachs, zartweiches Roastbeef, Sushi, leckerste Samosa… Es wurde immer besser! Nachdem wir uns an den Häppchen und Laugenbrezeln schon fast satt gegessen hatten (nach wochenlangem Nsima essen kann man bei so was einfach nicht wiederstehen), wurde die Feier vom Botschafter offiziell eröffnet. Bei einem Gläschen leckeren Weißwein hörten wir zuerst der Rede des Botschafters zu, dann dem Blasorchester, welches die malawische Nationalhymne spielte, dann einem malawischen Minister, der noch eine Rede hielt und daraufhin wieder dem Blasorchester, welches nun die deutsche Nationalhymne spielte. Damit war der offizielle Teil des Abends auch schon wieder vorbei. Es spielte noch eine Marimba-Band und dann wurde das Buffet eröffnet…

Und der Genuss ging weiter! Kartoffelsalat, Zwiebelkuchen, Sauerkraut, Rotkohl, Schnitzel, Frikadellen – unsere deutschen Geschmacksnerven wurden endlich wieder beansprucht und wir genossen alles mit großer Freude. Zum Nachtisch waren leckerste deutsche Kuchen gebacken worden – Mandelkuchen, Zupfkuchen, Käsekuchen, Schwarzwälder Kirschtorte. Am Ende waren wir fast schon zu satt, aber einfach nur wunschlos glücklich. Ich versuchte meinen vollen Magen mit zahlreichen Espressos zu beruhigen, aber der gewünschte Kräuterschnaps-Effekt trat nicht ganz ein… Naja, so war ich dann immerhin den Rest der Nacht hellwach.

Die Band spielte gute Musik, wir tranken leckeren Weißwein und waren sehr glücklich. Nach der Band legte ein DJ auf und dann ging die Feier so richtig los… Ich habe selten einen so guten DJ gehört und wenn dann auch noch Musik aus den 70ern bis 90ern gespielt wird, kann die Party nur gut werden. Wir tanzten und genossen die ausgelassene Atmosphäre. Gegen 10 Uhr wurde es jedoch immer leerer und bald waren wir Freiwilligen die einzigen, die noch tanzten. Als es immer leerer wurde, machten wir uns gegen 11 Uhr auch auf den Weg nach Hause, nachdem wir uns bei dem Botschafter für diesen traumhaften Abend bedankt hatten.

Wieder gemeinsam in Lilongwe – bei der deutschen Botschaft

Schön, mal ein volles Zimmer zu haben 😉

Mzuzu-Wochenende

Nach der Botschaftsfeier fuhr ich am Donnerstag mit Laura und Caro nach Mzuzu. Während in der Central Region die Landschaft sehr karg aussieht und größtenteils abgeholzt ist, wurde es je höher wir kamen immer bewachsener… Jedoch nicht ganz so, wie ich erwartet hatte. Mit einem Mal säumten lauter Pinienwälder die Straße und ich fühlte mich in diesem Nadelwald ein bisschen wie auf dem Weg nach Nordschweden… Ein etwas komisches Gefühl, das hatte ich nicht erwartet. Später fand ich heraus, dass es sich bei den Wäldern um menschengemachte Pinienplantagen handelt… Aber immerhin um einen der größten menschengemachten Wälder in Afrika. Nach 4 Stunden Fahrt kamen wir am frühen Abend in Mzuzu und am Mzoozoozoo an. Der Mzoozoozoo ist eine Lodge in Mzuzu, die gerade größtenteils Lauras Zuhause ist. Es war sehr schön, zur Abwechslung mal in einer Kleinstadt zu sein… Mzuzu ist viel überschaubarer und schöner als Lilongwe, alles ist fußläufig zu erreichen und der Markt ist weniger chaotisch.

Am nächsten Morgen gingen wir auf den Chitenge-Markt. Ich war beeindruckt – der Markt ist nochmal um einiges größer als in Lilongwe und somit auch die Vielfalt an Stoffen. Neben den Stoffen, die es auch viel in Lilongwe gibt, hingen hier noch viele Stoffe, die wohl größtenteils aus Uganda kommen und mehr den typischen „Afrika-Stoffen“ ähneln, die ich im Kopf hatte. Bei meiner Begeisterung für Chitenge konnte ich natürlich auch hier viele schöne Stoffe finden, und zu meinem Glück sogar einen Stoff, den ich vor kurzem in Lilongwe auf der Straße gesehen hatte, und von dem ich so begeistert war, dass ich seitdem immer danach Ausschau gehalten hatte… Da habe ich nun also Stoff für ein schönes neues Kleid 😉 Am Nachmittag wollten wir zu Nelson, einem Freund von Caro und Laura fahren und dort Lasagne und Apple Crumble kochen bzw. backen. Am Nachmittag kauften wir also ein, um die gut ausgestattete Küche zu nutzen und dieses Festmahl zu kochen. Es wurde tatsächlich ein Festmahl und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu essen.

Für den Samstag hatten wir uns mit Leo und den beiden Lukassen (zwei Kolping-Freiwillige die zusammen in Chinteche sind und zufällig den gleichen Namen haben) am See verabredet. Laura hatte schon von dem See geschwärmt, und nachdem es schon in Senga so schön war, freute ich mich riesig auf den Tag am Wasser. Wir fuhren also nach Nkhata Bay, wo wir in einer schönen Lodge, Mayoka Village, den Tag verbringen wollten. Ich war begeistert – das war definitiv der schönste Ort an dem ich in Malawi bis jetzt war. Glasklares Wasser, Klippen und eine steile Felswand, in die die Lodge hineingebaut war. Die Bucht war idyllisch und ruhig und man konnte traumhaft baden und entspannen. Der leckere Eiskaffee trug noch weiter zu meiner Freude bei und so wurde es ein wirklich traumhafter Tag. Am Abend gingen wir noch in einen Club, denn Mzuzu ist für seine Club- und Feierszene bekannt. Es war ein schöner Abend, ich hatte jedoch aufgrund einer schlimmen Erkältung und meiner Angewohnheit spätestens um 10 Uhr schlafen zu gehen ziemliche Schwierigkeiten wach zu bleiben.

Das Mayoka Village – steil in den Fels gebaut

Eine idyllische Bucht in Nkhata Bay

Die coolste Dusche, die ich bis jetzt gesehen habe… auf jeden Fall mit der schönsten Aussicht

Für den nächsten Tag hatte ich mir ein Busticket für den Sososo-Bus gekauft, ein sehr komfortabler Bus, der jeden Tag zwischen Mzuzu, Lilongwe und Blantyre hin und her fährt. Nach einem leckeren Frühstück machte ich mich also gegen 13 Uhr wieder auf den Weg nach Lilongwe, nach Hause. Es war ein wunderbares Wochenende gewesen, und ich war sehr glücklich, dass ich nun endlich ein paar wirklich schöne Orte von Malawi gesehen hatte.

Bananen und Papayas

Tikondwe Gardens

Bei den Tikondwe Gardens mit Joseph und Daniel

Am 13. Oktober schafften Joseph und ich es endlich uns zu treffen… Nachdem wir uns 2 Monate lang immer wieder verpasst hatten, freute ich mich sehr auf den Tag. Ich hatte vorgeschlagen zu Daniel, einem Freund von Joseph, zu fahren, der einen Permakulturgarten in Dowa, einer Region in der Nähe von Lilongwe hat.

Der schöne Jacaranda Baum – es sieht fast so aus als hätte er lila Blätter

Die Gärten heißen Tikondwe Gardens –  Freedom Gardens – und Daniel erzählte erstmal ein bisschen über die Geschichte der Gärten. Seine Eltern hatten die Gärten schon Ende der 70er angelegt, zu einer Zeit als ökologische Landwirtschaft und Permakultur in Malawi eigentlich noch gar kein Begriff waren. Mit dem Ziel der Ernährungssouveränität gelang es ihnen in einem recht feuchten Gebiet, welches von Gras überwuchert war, langsam aber sicher Gärten für die Nahrungsmittelproduktion anzulegen. Dabei war es ihnen ein besonderes Anliegen, externe Inputs so gering wie möglich zu halten und vollkommen im Einklang mit der Natur und den natürlichen Prozessen zu wirtschaften. So entstand im Laufe der Jahre ein beeindruckender Garten, der mittlerweile von 1 ha auf 10 ha angewachsen ist, viele Arbeitsplätze bietet und Ernährungssicherheit und –souveränität verkörpert. Bei einem Rundgang durch die Gärten zeigte mir Daniel ausführlich und mit viel Freude viele verschiedene Aspekte des Gartens und ich konnte viel Neues lernen und gleichzeitig vieles von dem, was ich in meiner Zeit am Kusamala schon gelernt hatte, wiederfinden. Obwohl sowohl am Kusamala als auch in den Tikondwe Gardens Permakultur im Mittelpunkt steht, war es sehr interessant zu sehen, wie sehr sich die Gärten doch voneinander unterscheiden. Während am Kusamala alles schön durcheinander wächst, konnte ich bei Daniel ganze Felder mit Kohl sehen, die wenig durchmischt waren. Auf der anderen Seite wurden gleiche Arten für Pestmanagement und zur Stickstofffixierung verwendet, Kompost hergestellt, geistreiche Formen des rain water harvesting durchgeführt und vor allem die gleiche Begeisterung für die Arbeit mit den natürlichen Prozessen der Natur vermittelt. Nach dem Rundgang genossen wir noch eine leckere Wassermelone aus eigener Ernte und quatschten noch ein bisschen. Ich drückte meinen Wunsch aus, in der Regenzeit nochmal wieder zu kommen, dann wird bestimmt alles nochmal ganz anders und viel grüner sein. Es war ein sehr schöner Vormittag, den ich aufgrund der vielen neuen Eindrücke und der netten Menschen sehr genoss.

Ein Feld voller Kohl, mit einem schattenspendenden Baum

Ganz viele Papayas

In der Kirche

Joseph hatte mich eingeladen, mit ihm und seiner Familie in die Kirche zu gehen, und an diesem Sonntag, 21. Oktober, schafften wir es endlich. Hier gibt es sehr viele verschiedene Kirchen, keine Ahnung warum alle ihre eigene Kirche haben müssen, denn im Grunde habe ich es so verstanden, dass es eine katholische Kirche gibt, alle anderen aber evangelisch sind, es davon aber einfach tausende unterschiedliche gibt. Anscheinend hatte die Kirche (bzw. alle unterschiedlichen Kirchen) ein Gebiet Irgendwo im Nirgendwo bei Area 49 gekauft, auf dem jetzt viele Kirchen neu gebaut werden sollten, um einen kirchlichen Ort zu schaffen. Die Kirche zu der wir fuhren (ich weiß den Namen ehrlich gesagt nicht, er war lang und kompliziert) war erst letzte Woche dorthin umgezogen und daher war die sogenannte Kirche bloß ein Bretterverschlag in dem ein paar Plastikstühle standen und der notdürftig ein Dach aus irgendwelchen Planen hatte, da es in letzter Zeit tatsächlich schon öfter mal geregnet hatte (obwohl die Regenzeit eigentlich erst Ende November anfangen sollte). Als wir dort ankamen waren schon einige Leute da und es wurde begeistert gesungen und getanzt. Wir stellten uns also dazu und sangen und tanzten mit den anderen. Besonders toll fand ich, dass es vollkommen egal war, dass die Kirche gerade bloß ein Holzverschlag war… Es ging einfach nur um das Zusammensein und das war eine sehr schöne Erfahrung. Nach einiger Zeit kam der Pastor, ich war erstaunt wie jung er war. Er predigte – ziemlich lange – aber es war keine langweilige Predigt. Er sprach von wirklich wichtigen Dingen. Davon, dass man die Chancen, die man im Leben hat nutzen soll, das Beste aus seinem Leben hier auf der Erde machen soll und nicht nur ein guter Christ sein soll in Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Ich war begeistert, und konnte gut verstehen warum Joseph gerne zu diesem Pastor ging. Zudem vermittelte dieser eine Begeisterung für das Gesagte, dass einem beim Zuhören gar nicht langweilig wurde – auch nicht, weil es sehr witzig war, wie er seine Predigt auf Englisch hielt, nach jedem Halbsatz aber eine Pause machte und das Gesagte von einem anderen ins Chichewa übersetzt wurde. Es war ein schöner Morgen, und ich war froh, dass ich die Chance hatte, diese Erfahrung zu machen und eine Kirche hier in Malawi kennenzulernen.

 

Soweit erstmal ein Update von mir, ich hoffe es waren nicht zu viele Infos auf einmal! Auf jeden Fall geht es mir weiterhin super hier, ich komme immer mehr an, fühle mich in meinem Zuhause immer wohler und lebe einfach glücklich und zufrieden vor mich hin!

 

Warum Malawi? – Die Geschichte von YSD

Warum bin ich in Malawi gelandet? Malawi, ein kleines, kaum bekanntes Land. Zufall? Tatsächlich nicht!

Vor mittlerweile mehr als 2 Jahren hat Carl, ein Freund von mir, Joseph auf der Klimakonferenz 2015 in Paris kennengelernt. Joseph ist Malawier, studierter Umweltwissenschaftler und unglaublich engagiert dabei Malawis Natur zu schützen, Ernährungssicherheit zu gewährleisten und über die Ursachen und Folgen des Klimawandels aufzuklären, der vor allem die Landwirtschaft und somit die Ernährungssicherheit in Malawi stark bedroht. Mit seiner NGO ‚Youth for Environment and Sustainable Development‘ (YSD) setzt sich Joseph gemeinsam mit einem Team aus jungen Aktiven – Jekapu, Pilirani und Esnart – für die Zivilgesellschaft in Malawi ein und bringt Klimaschutz und Klimawandelanpassung in die politische Debatte des Landes.

Joseph zeigte Carl gegenüber großes Interesse an einer Kooperation mit Engagierten aus dem Globalen Norden, da der Klimawandel ohne Frage ein globales Phänomen ist und Folgen und Ursachen des Klimawandels idealerweise in globalen Partnerschaften angegangen werden sollten, um eine ganzheitliche Betrachtung der Probleme und Herausforderungen zu gewährleisten. Da Carl Joseph in Sachen Engagement beinahe in nichts nachsteht, bildeten die beiden das ideale Team, um so eine Idee tatsächlich in die Tat umzusetzen.

So beschlossen wir – Carl, Annika, Miriam, Sabina und ich – 5 Studierende aus Lüneburg, eine Kooperation mit YSD Malawi einzugehen und sie bei deren Projekten in Malawi zu unterstützen und gleichzeitig in Deutschland Bildungsarbeit zum Thema Klimaschutz und globale Gerechtigkeit zu machen. Nach einem zunächst schleppenden Anfang gab ein Universitätsprojekt zum Thema Biodiversität und Ernährungssicherheit in Malawi Anlass für den Startschuss der Kooperation. Nachdem wir im Rahmen des Projekts viel über Malawi gelernt hatten, wollten wir nicht länger warten, sondern endlich aktiv werden. Das erste gemeinsame Projekt mit YSD Malawi wurde geplant, Fördergelder beantragt und nachdem die Förderung gesichert war, führte YSD in Malawi Workshops zum Thema Klimawandel und Landwirtschaft durch. Das Projekt war ein voller Erfolg und die Kooperation kam ins Rollen. In Deutschland haben wir noch 2 weitere Mitglieder dazu gewonnen, Amelie und Henrik, und sind als Projektgruppe des Janun Lüneburg e.V., ein Zusammenschluss von jungen Engagierten in Niedersachsen, aktiv.

Mittlerweile haben wir eine gute Partnerschaft und Freundschaft zwischen den beiden YSD-Gruppen in Malawi und Deutschland entwickelt. Joseph war von 2017 bis 2018 für ein Jahr als Klimabotschafter für JANUN e.V im Rahmen eines Süd-Nord-Freiwilligendienstes in Deutschland und so kam die Idee auf, dass auch jemand aus unserer Gruppe einen weltwärts-Freiwilligendienst in Malawi machen könnte. Uns ist es wichtig, die Kooperation vor allem auf freundschaftlicher Ebene voranzubringen – denn es ist schöner, sich auch über Dies und Das auszutauschen und nicht immer nur über Organisatorisches zu sprechen und das ist erfahrungsgemäß einfacher, wenn man sich gegenseitig kennt. Da ich sowieso seit einigen Jahren vorhatte, nach meinem Bachelor einen weltwärts-Freiwilligendienst zu machen, entschied ich mich nach einer Einsatzstelle in Malawi zu suchen. Als ich dann auch noch eine Einsatzstelle im Bereich Landwirtschaft und Ökologie in Malawi fand, die thematisch ideal zu meinen Studienschwerpunkten passt, schien alles einfach zu gut zu passen, um wahr zu sein!

Und jetzt ist es tatsächlich wahr geworden… Ich bin in Malawi, bin mit meinem Projekt am Kusamala Institute sehr zufrieden und freue mich, dass ich über den weltwärts-Freiwilligendienst hinaus auch noch die Projekte von YSD Malawi besser kennenlernen kann und mit den Leuten von YSD ein paar schöne Momente erleben kann, die unsere Partnerschaft stärken werden.

Wie designe ich einen Permakulturgarten?

Das ist die Frage, der ich seit letztem Mittwoch intensiv auf den Grund gehe. Mit der Rückkehr Tionge’s habe ich tatsächlich eine Aufgabe bekommen und noch dazu eine sehr schöne, die mir großen Spaß macht: Ich soll die Umgebung um unser neues Bürohaus nach Permakulturprinzipien designen. Wir ziehen bald in ein neues Haus ca. 500m von unseren jetzigen Büros um, da diese Räume anderweitig genutzt werden sollen. Dieses Haus wird derzeit gebaut und drum herum ist es kahl und trostlos und sieht noch ein bisschen wie Baustelle aus. Und da ist nun meine Kreativität gefragt, um die Umgebung zu begrünen und schön, logisch, praktisch, kurz permakulturmäßig zu gestalten. Um mir die Aufgabe zu erleichtern, hat Tionge mir einen Ordner mit tausenden Dokumenten über alle möglichen Aspekte der Permakultur zur Verfügung gestellt. Seit Mittwoch habe ich also erstmal viel, viel Zeit am Computer verbracht, habe mich durch das Gewirr an Dokumenten gearbeitet, vieles über Permakultur gelesen und alles was mir wichtig erschien für mich aufgeschrieben und zusammengefasst. Ich kam mir fast ein bisschen vor, wie an der Uni, eigentlich ganz schön und vertraut!

Unser neues Bürohaus – noch etwas kahl und trostlos

Nachdem ich gelernt hatte, dass man für ein Permakultur-Design erstmal die zu planende Fläche gut erkunden und kennenlernen soll und alles, was man sieht auf einer sogenannten „Base Map“ darstellen soll, unterzog ich das neue Gebäude also einer intensiven Erkundung, setzte mich auf eine Bank und versuchte das Gebäude inklusive Umgebung auf einer Karte abzubilden… Nach zahlreichen Versuchen, bei denen die Proportionen einfach nicht so richtig stimmen wollten, hatte ich irgendwann doch eine ganz gute „Base Map“ erstellt und war mit dem ersten Ergebnis meines Projekts zufrieden.

Jetzt hieß es, kreativ werden und Ideen entwickeln, wie man die Umgebung gestalten könnte. Ich veranstaltete also ein großes Brainstorming in meinem Kopf und sammelte viele Ideen, was man so alles machen könnte: Insektenhotels, Kräuterspirale, Moringabäume, Hühner, Solartrockner für Früchte, Sitzecke mit Weinranken, Gemüsebeete mit Bewässerung vom Dach und vieles mehr. Nun geht es darum, die ganzen Ideen in ein sinnvolles Konzept zu bringen. Wassermanagement und Bodengegebenheiten müssen unbedingt beachtet werden und ich muss noch lernen, welche Pflanzen gut zusammen wachsen und welche nicht.

So schön grün sieht es irgendwann um das neue Gebäude hoffentlich auch aus

Auf jeden Fall habe ich jetzt alle Hände voll zu tun und bin mit meiner abwechslungsreichen Aufgabe, die einerseits intensives Lernen, praktisches Erkunden und kreatives Ideenfinden beinhaltet, überaus zufrieden. Wie mein Design am Ende aussieht und in die Tat umgesetzt wird, erzähle ich dann später…

Von 18b nach Area 3

Nun war ich also schon mehr als 2 Wochen in Malawi und mein Koffer stand immer noch gepackt und verschlossen in der Ecke, ich lebte aus meinem Rucksack, und auch wenn es mir in 18b gefiel, konnte ich nicht so richtig ankommen. Dieser Zustand wurde irgendwann anstrengend und schlug in Kombination mit der Magenverstimmung etwas auf meine Stimmung… Zum Glück war Nadja noch da, die auch in 18b wohnte, eine Freiwillige, die 6 Monate in Malawi gewesen war und am Dienstag abreisen würde. Wir versuchten die Langeweile zu vertreiben und unternahmen ein paar schöne Sachen.

Wir gingen auf den Chitenge-Markt, ein wunderbarer Ort mit vielen wunderschönen Stoffen. Aus den Stoffen wollte ich mir Röcke schneidern lassen und ein Kleid, denn ich war am nächsten Wochenende auf einer Hochzeit eingeladen. Nadja hatte in dem Projekt Taste of Malawi gearbeitet, eine kleine NGO, in der Frauen eine Schneiderausbildung machen und dann damit ihr eigenes Geld verdienen. So wusste ich also schon, wem ich meine Schneiderwünsche in Auftrag geben würde!

Nadja zeigte mir auch das Wildlife Center, ein traumhafter Ort, mein absoluter Lieblingsort in Lilongwe, wo es ein Cafè mit super leckerem Essen gibt. Ich trank das erste Mal seit 2 Wochen einen Cappucchino und war überglücklich! Am Sonntagabend gingen wir zum Four Seasons, eine schöne Gärtnerei mit Park, wo es jeden Sonntag Live Jazz gibt. Wir setzten uns ins grüne Gras auf ein Chitenge und genossen die Musik.

Leckeres Essen im Fusion Cafè und endlich ein Cappucchino

Das schöne Cafè Fusion im Wildlife Center

 

Am Montag war es dann soweit und der Umzug stand vor der Tür. Alex, mein zukünftiger Mitbewohner und Nadjas ehemaliger Chef, hatte einen Transport für 16 Uhr organisiert und so hätte der Umzug nicht lange dauern sollen… Hätte, wenn die Korbsofas nur nicht so groß gewesen wären und wir nicht 4 Betten hätten mitnehmen müssen! So musste der Transport zweimal fahren und blieb auf dem Rückweg im Feierabendstau stecken, sodass wir mit der zweiten Ladung erst gegen 20 Uhr in Area 3 ankamen! Und dann standen wir vor der Herausforderung ein Bett in mein Zimmer zu kriegen. Nach vielem Hin und Her blieb nur noch die Option das Kopfteil abzusägen, danach ging es zum Glück ganz einfach! Wir hatten mittlerweile alle einen Riesenhunger und so fuhren wir in die Stadt und aßen bei Mimoza, einem typisch malawischen Restaurant, etwas zu Abend. Für Nadja ein letztes malawisches Essen am letzten Abend, für mich ein erstes gemeinsames Essen mit meinen neuen Mitbewohnern. Ich wohne bei Alex, ein sehr netter und offener Malawier, Anfang 30 und seinem Bruder Deus, auch super nett, Ende 20. Ich fühle mich sehr wohl und wir kommen gut miteinander aus. Jeder macht sein Ding, aber wenn es passt, essen wir auch mal zusammen, quatschen oder unternehmen was zusammen. Eigentlich nicht viel anders als WG-Leben in Deutschland.

Umzugstransport in 18b

Als ich am Mittwoch endlich auch ein Regal in meinem Zimmer hatte, konnte ich meine Sachen einräumen und war mit meinem Zimmer bald sehr zufrieden. Endlich ein Ort zum Ankommen, an dem ich mich zu Hause fühlen konnte… Das Bett mit dem Moskitonetz ist sehr gemütlich, das Regal mit Büchern und allem möglichen Zeugs macht den Raum wohnlich und mein Kleiderschrank ist auch eingeräumt. An der Wand hängt eine Malawi-Karte und ein Poster mit Pflanzen aus den Tropen (Fundstücke aus 18b), ich habe Fotos und einen Kalender aufgehängt und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Als ich am Donnerstag das erste Mal von der Arbeit in dieses Zimmer „nach Hause“ kam, war ich sehr glücklich.

Der Garten um das Haus ist groß und schön, und auf den Sofas auf der kleinen Terrasse genieße ich nach der Arbeit eine Stunde Ruhe, trinke entspannt einen Tee, esse einen Apfel, lese ein bisschen, bis es um 6 dann dunkel ist. Das ist etwas, woran ich mich noch gewöhnen muss, dass es so früh einfach dunkel ist…

Der Garten in Area 3 – mit coolem Hängesofa

Das Schöne ist, dass Area 3 eine sehr zentrale Gegend von Lilongwe ist. Ich laufe jetzt jeden Morgen und Nachmittag eine halbe Stunde durch Area 3 und bin dann in Town, dem zentralen Punkt Lilongwes. Von dort nehme ich ein Share Taxi, um ins City Centre und von dort zum Kusamala zu kommen. Es ist zum Einkaufen schon sehr praktisch, einfach auf dem Rückweg von der Arbeit vom Markt, Supermarkt oder den Straßenständen das Abendessen mitbringen zu können und die halbe Stunde Fußweg jeden Morgen und Abend bringen mir meine Bewegung. Und auch um in meiner Freizeit Lilongwe zu erkunden, ist es sehr praktisch, dass ich das Stadtzentrum fußläufig erreichen kann.

Ein Highlight der ersten Woche in Area 3 war noch, als ich herausgefunden habe, dass Deus eine Gitarre hat (aber noch nicht wirklich spielen kann) und Deus herausgefunden hat, dass ich ein bisschen Gitarre spielen kann und ihm etwas beibringen kann. Dienstagabend haben wir dann den ganzen Abend auf der Terrasse gesessen und Gitarre gespielt!

Nun bin ich also endlich angekommen und habe ein kunyumba (Zuhause) hier in Malawi!

Sonnenuntergang auf dem Rückweg von der Arbeit

Über mich

Ich bin Hannah, 22 Jahre alt, Hamburgerin und Umweltwissenschaftlerin.

Und seit dem 10. August bin ich nun in Malawi um hier für ein Jahr zu leben und zu erleben, zu arbeiten und zu lernen und viele neue Erfahrungen zu sammeln.

Die letzten 4 Jahre habe ich in Lüneburg gelebt und dort an der Leuphana Universität Umweltwissenschaften studiert. Während der Zeit habe ich mich intensiv mit den Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung beschäftigt und konnte viel über die globalen Zusammenhänge in unserer Welt lernen. Besonders interessiere ich mich für Ökologie und habe mich stark in diesem Bereich vertieft. Dabei interessieren mich vor allem die komplexen Zusammenhänge von Ökosystemen und die Herausforderungen des Biodiversitätserhalts. Die Natur ist so interessant und wir können so viel von ihr lernen… Wie können wir am besten im Einklang mit ihr leben und ihre Ressourcen und ihre Schönheit erhalten? Ganz besonders wichtig finde ich die Frage, wie wir auf natürliche Weise Nahrungsmittel produzieren können und den Schutz der Natur mit einer globalen Ernährungssicherheit in Einklang bringen können.

Ich freue mich darauf, meine Interessen und mein Wissen während meines weltwärts-Freiwilligendienstes hier in Malawi zu vertiefen. Ich arbeite am Kusamala Institute in Lilongwe, ein Institut für Ökologie und Landwirtschaft. Ökologie und Landwirtschaft sind genau die Schlagworte, die meine Interessen und Schwerpunkte am besten beschreiben, sodass ich einerseits viel Neues lernen kann, andererseits aber auch schon einen guten Wissensstand mit in das Projekt bringen kann.

Kusamala Institute